Schacholympiade (1): Zwei Auftaktsiege für Deutschland – Männer 4:0 gegen die Färöer, Frauen 3:1 gegen Malta

Ein Leben lang Französisch. Das gilt nicht nur für den deutschen Schachhelden Wolfgang Uhlmann. Der für die Färöer spielenden Däne IM John Rodgaard zelebriert seinen Franzosen seit mehr als 40 Jahren. Bei der Schacholympiade 1984 in Thessaloniki gelang ihm damit ein Remis gegen den für Frankreich spielenden Exweltmeister Boris Spassky. Kein Wunder also, dass Rodgaard gegen seinen für Tyskland spielenden Landsmann Frederik Svane einmal mehr 1…e6 aufs Brett stellte.

Ein weitgehend gelungener Auftakt für die Nationalmannschaften bei der Schacholympiade.

Bevor wir über die Partie reden, müssen wir über Fußball reden, eine Sportart, die auf den Färöern dem Schach eng verbunden ist. Der neben dem Norweger Simen Agdestein einzige Schachmeister, der sowohl im Fußball wie im Schach Nationalspieler war, lebt auf den Färöer-Inseln. Aber Torkil Nielsen, mittlerweile Holzhändler, steht 2026 trotz einer Reihe von Absagen nicht im Schacholympia-Team der Färöer. Dasselbe gilt für Nielsens Söhne Hogni Egilstoft und Rogvi Egilstoft, Nummer zwei und drei der nationalen Rangliste. Und für den einzigen Faröer-GM, Helgi Dam Ziska.

Im ersten Pflichtspiel einer Färöer-Fußball-Nationalmannschaft schoss Torkil Nielsen das 1:0-Siegtor gegen Österreich. Für die Schach-Nationalmannschaft hat er rund drei Dutzend Schacholympia-Einsätze gesammelt. Außerdem engagiert er sich als Vorsitzender seines Schachclubs.

Aber Rodgaard spielt wieder mit. Auch der, Jahrgang 1955, hat eine Fußballgeschichte. Auf die Inseln gekommen war er 1976, als er aus Dänemark zum Färöer-Fußball-Traditionsverein TB Tvøroyri wechselte. Als Spielertrainer führte er seinen neuen Club zu zwei nationalen Meistertiteln. Während der beiden Meisterjahre muss sich herumgesprochen haben, dass dieser dänische Fußballer auch im Schach ziemlich gut ist. 

1984, bei seiner zweiten Rückkehr auf die Inseln, fragte der Schachverband Rodgaard, ob er nicht die Färöer bei der Schacholympiade vertreten mag. Er sagte zu – und saß wenig später in Thessaloniki Boris Spassky gegenüber. Der lief dem Außenseiter in dessen Spezialvariante des Winawer-Franzosen (7…Kf8). Das dänische Skakbladet griff die Partie auf und berichtete: Die beste dänische Leistung dieser Runde sei gar nicht im dänischen Mannschaftskampf erbracht worden, sondern von einem Landsmann, der für die Faröer spielt. 

DSB-Sportdirektor und -Delegationsleiter Kevin Högy im Perlen-Interview unmittelbar vor Beginn der Schacholympiade in Samarkand.

Gut 40 Jahre später nun also Französisch gegen einen Landsmann, der für Deutschland spielt. Frederik Svane ließ erst gar keinen Winawer zu, entschied sich für die Vorstoßvariante. Bald offenbarte sich, dass Rodgaard damit weniger vertraut ist. Mit einem glatten Sieg brachte Svane den Deutschlandvierer in Front. 

Ein glatter Sieg für Frederik Svane.

Am Donnerstag gegen Usbekistan III und Irland

Und so ging es weiter. Mit zwei Siegen sind die Nationalmannschaften in die Schacholympiade 2026 gestartet. Die Männer triumphierten 4:0 gegen die Färöer, Nummer 107 der Setzliste, die Frauen 3:1 gegen Malta, Nummer 105. Beide Siege waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, beide Gegner nicht stark genug, die nominell viel besseren Deutschen in Gefahr zu bringen. Am Donnerstag treffen die Männer auf die dritte usbekische Mannschaft, die Frauen auf Irland.

Weltmeister Gukesh, mit Team Indien von Unterkunftproblemen geplagt, schleicht sich en passant an der deutschen Nationalmannschaft (im Hintergrund) vorbei. | Foto: Rafal Oleksiewicz/FIDE

Bundestrainer Jan Gustafsson hatte seinen besten Mann draußen gelassen. Er wird Vincent Keymer früh genug brauchen, möglichst durchgehend, sodass die deutsche Nummer eins seine Pause am ersten Tag bekam. Ein 4:0 war dennoch Gustafssons erklärter Wunsch, damit die vier Akteure gleich zu Beginn einen Sieg auskosten und womöglich auf den Geschmack kommen. Sein Wunsch wurde erhört.

Matthias Blübaum punktet mit Schwarz an Brett 1.

Matthias Blübaum stand mit den schwarzen Steinen früh riesig, Rasmus Svane zelebrierte in einem Abtausch-Damengambit einen klassischen Minoritätsangriff, der eigentlich nicht mehr als allzu gefährlich gilt, aber gegen die Färöer vortrefflich funktionierte. Am ehesten tat sich noch Alexander Donchenko mit den schwarzen Steinen in einer technischen Partie schwer, aber auch hier neigte sich die Waagschale schließlich zugunsten des Deutschen.

Die Frauen etwas wackelig

Lara Schulzes glatter Sieg, der erste Punkt für Deutschland bei der Schacholympiade 2026.

Frauen-Bundestrainer Zahar Efimenko wird sich etwas Ähnliches wie Gustafsson gewünscht haben, und im Prinzip ließ es sich gut an. Früh offenbarte sich, dass Gegnerin von Lara Schulze ihren Caro nicht kann, und für die Gegnerin von Jana Schneider und deren Katalanen galt dasselbe. Während Schulze die schwarze Bastion unter etwas Mithilfe der Malteserin rasch zerpflückte, sicherte sich Schneider erst einmal bequemes Spiel und schließlich ein Endspiel mit Mehrbauer, dass sie sicher gewann.

35…Ld5, ups. Jetzt kommt 36.Sxd7!, und bei Weiß ist wieder alles okay.

Die 2,5 Punkte und damit der Matchsieg stand kaum in Frage, aber es hätten nicht mehr als diese 2,5 werden können – bis die Gegnerin von Hanna Marie Klek ihren Mehrbauern einstellte. In einem ausgeglichenen Läuferendspiel sandte sie ein Remisangebot über den Tisch. Klek nahm es an – 2,5:0,5. Ein Brett weiter kämpfte Dinara Wagner an die 50 Züge lang, aber als ihre Gegnerin eine Zugwiederholung anbot, ließ sich Wagner darauf ein.

Immerhin kann Wagner für sich in Anspruch nehmen, gegen Caruana remisiert zu haben. Allerdings nicht den Caruana aus den USA. Ihre maltesische Gegenspielerin hieß Oana Caruana Pulpan.

Alle Entwicklungen rund um die Schacholympiade stets hier.

Titelfoto: Rafal Oleksiewicz/FIDE

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1 Kommentar
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Thomas Richter
1 Monat vor

Das Schwarzremis von Dinara Wagner gegen Caruana war immerhin ungefährdet. Hanna Marie Klek hatte gegen eine weniger prominente Gegnerin dagegen zuvor neben einem Bauern auch eine Stellung weniger – zeitweise war bei ihr nichts OK.
Generell ein guter Tag für Malta: die Herren haben gegen Ungarn nur 1,5-2,5 verloren (glatter GM-Skalp – Benjamin Gledura – für den 15-jährigen CM Portelli). Morgen vielleicht zählbares für beide Teams – Herren gegen Liechtenstein, Frauen gegen San Marino.