Nach dem 11. September haben die Terroristen bekommen, was sie wollten
Terror ist Provokation: Er soll den Stärkeren dazu bringen, sich selbst zu schaden. Genau das hätten die USA nach dem 11. September 2001 gemacht – und die Erwartungen der Attentäter noch übertroffen. Das kommentiert der Historiker Timothy Snyder in seinem Substack-Blog.

Die richtige Antwort wäre laut Snyder die Befreiung von fossilen Energien gewesen. Ohne Ölabhängigkeit hätten sich die USA nie so tief im Nahen Osten verstrickt; die Mehrheit der Attentäter seien Bürger eines verbündeten Ölkönigreichs gewesen. Eine Förderung von Kernfusion und sauberer Energie hätte Erderwärmung, weitere Kriege und den Aufstieg der Kohlenwasserstoff-Oligarchie um Vladimir Putin verhindern können. Unter George W. Bush, der aus einer Ölfamilie stammte, sei diese Verbindung nie gezogen worden.
Sicherheit gegen Freiheit
Innenpolitisch habe das neue Heimatschutzministerium alles zur Sicherheitsfrage erklärt – auch die Grenze. Dabei sei Terrorismus nur eine Gefahr unter vielen: rund 3.000 Toten jenes Tages stünden im selben Jahr etwa 17.000 Tote durch Handfeuerwaffen, 19.000 durch Überdosen und 21.000 durch fehlenden Zugang zu medizinischer Versorgung gegenüber. Der Begriff „Homeland“ mit seinem Anklang an die NS-Heimatideologie sei normalisiert worden und diene heute der Einteilung in Wir und Sie.
Der Irakkrieg 2003, gestützt auf erfundene Verbindungen zu den Attentätern, habe das Verbot des Angriffskriegs entwertet, das Vertrauen in die eigene Regierung zerstört und Putins Propaganda erleichtert; die wahren Warnungen vor der Invasion von 2022 hätten deshalb wenige geglaubt. Aktuell verweigere Washington der Ukraine Patriot-Raketen, während Donald Trump einen aussichtslosen Krieg gegen Iran führe. Die Lehre bleibe: nicht tun, was Terroristen wollen. Freiheit beginne mit der eigenen Reaktion.







