Lügen erkennen: Pinocchios Nase gibt es nicht
Fünf Sekunden Videomaterial genügen, um psychopathische Persönlichkeitszüge grob einzuschätzen. Das sagte Leanne ten Brinke im Podcast The Diary Of A CEO. Die Psychologin und Professorin, bekannt für ihre Forschung zu Täuschung, Vertrauen und dunklen Persönlichkeitsmerkmalen, verweist auf Untersuchungen, bei denen Urteile ungeschulter Studierender nach kurzen Ausschnitten mit den Einschätzungen klinischer Psychologen nach stundenlangen Interviews recht gut übereinstimmten. In ihrem eigenen Labor kodierte sie dieselben Aufnahmen: Auffällig war das echte, bis in die Augenwinkel reichende Lächeln bei gleichzeitig feindseligen Inhalten – dazu viele Handgesten. Persönlichkeit zeige sich allerdings erst über Zeit und Situationen hinweg.
Schauen Lügner weg?
Den populärsten vermeintlichen Hinweis hält ten Brinke für falsch: Wegschauen oder Ausweichen vom Blickkontakt als Indiz für Lügen sei wissenschaftlich nicht belegt, treffe aber Autisten und Menschen anderer kultureller Prägung unfair. Verlässlicher sei, dass Lügende weniger Details liefern, vage und schwer überprüfbar bleiben und erkennbar kognitiv angestrengt wirken. Ein einzelnes Merkmal gebe es nicht. Im Schnitt erkennen Menschen Lügen nur mit 54 Prozent Treffern; hilfreicher als Beobachten sei besseres Fragen – offene Fragen, unerwartete Nachfragen, schlicht „Tell me more about that“.
Psychopathie lohnt sich nicht
Dem Bild des gefährlichen Psychopathen widerspricht sie ebenso: Gewalt sei ein Risiko, keine Bedingung, um sich durchzusetzen. Und die Annahme, solche Züge nützten in harten Wettbewerben, halte einer Prüfung nicht stand. Hohe Psychopathie-Werte gingen mit weniger Einfluss in der Politik und geringeren Einkünften als Hedgefonds-Manager einher.







