Endspiel um die Demokratie
Die Parteien der Mitte verlieren die politische Auseinandersetzung in den sozialen Medien, weil sie deren Wirkung nicht begreifen. Das hat Philipp Jessen jetzt im OMR-Podcast festgestellt. Und mahnt, das Endspiel um die Demokratie laufe längst.
Der frühere Chefredakteur von Bravo, Gala und Stern, heute Gesellschafter der Agentur Story Machine, unterscheidet zwei Lager: Die Radikalen von links und rechts brächten „ihren inhaltlichen Shit“ handwerklich brillant in die Köpfe; die Mitte dagegen scheitere am Handwerk. Als Beispiel nennt er den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt, wo Ulrich Siegmund nach Jessens Einschätzung intuitiv und ohne große Budgets Stimmung erzeuge, während sein Mitbewerber Sven Schulze offene und freie Formate meide.
Halbdurchlässige Blasen
Von getrennten Bubbles will Jessen nichts wissen. Er beschreibt sie als „semipermeabel“: Die Rechten erreiche man nicht mehr, ihre Inhalte diffundierten aber verlässlich ins Bürgertum – über Talkshow-Schnipsel, Memes und WhatsApp-Gruppen. Entscheidend seien nicht die je zehn Prozent Fans und Hasser, sondern die 80 Prozent ohne feste Meinung. Neu sei die Ansprache junger Frauen: Get-ready-Videos, in denen über Make-up und gleichzeitig über Migration geredet werde.
Zweifel am Personal
Friedrich Merz hält Jessen für beratungsresistent, Lars Klingbeil traut er mehr Verständnis zu. Den gemeinsamen Wechsel von Grünen und SPD von Twitter zu Bluesky nennt er einen Fehler, weil er das Feld den Radikalen überlasse. Sein Bild für die Lage: Die Mitte mauere, als führe sie 2:0, liege digital aber längst zurück. Er hoffe deshalb auf eine neue, zeitlich befristete Bewegung.








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