Stubb: Keine Belege für einen russischen Angriff auf die NATO
Für einen russischen Angriff auf die NATO bis 2029, wie ihn deutsche Nachrichtendienste für möglich halten, sieht Alexander Stubb keine Belege. Das sagte er im Gespräch mit Paul Ronzheimer. Finnlands Präsident verweist auf die Abschreckung des Bündnisses und auf Zahlen: Russland verliere seit Dezember monatlich 30.000 bis 35.000 Soldaten, rekrutieren könne es rund 27.000. Eine Mobilmachung an zwei Fronten könne er sich nicht vorstellen. Drohnenvorfälle und Sabotage in Europa ordnet er als hybride Aktionen ein, als „Reizen oder provozieren“, nicht als Test der NATO. Sein wiederkehrender Rat: „Bereitet euch auf das Schlimmste vor, um es zu verhindern“ – und dabei ruhig bleiben.
Mobilmachung als einzige Eskalationsstufe
Einen Einsatz von Atomwaffen schließt Stubb aus; der chinesische Außenminister habe ihm bei einem Besuch gesagt, man werde das niemals zulassen. Russlands Möglichkeiten seien begrenzt. Putin bleibe nur die Mobilmachung, die innenpolitische Folgen hätte. Ein Kriegsende erwartet Stubb weder durch den wirtschaftlichen Abschwung noch durch die Verluste. Der Krieg ende, wenn der Kreml zu dem Schluss kommt, dass die Fortsetzung des Krieges das eigene Regime stärker gefährdet als ein Ende.
Dialog und Luftverteidigung
Stubb wirbt dafür, dass Europäer den politischen Gesprächsfaden nach Moskau wieder aufnehmen, um Missverständnisse zu vermeiden. Zugleich müsse die Ukraine unterstützt werden, vor allem mit Luftverteidigung. Schon ihr Überleben als souveräner Staat wäre für ihn ein Sieg: „Wenn die Ukraine verliert, verlieren wir.“


