„Planetare Intelligenz“: Krisen kommen sehen – und zeitig handeln
Ein Auge ohne Gehirn dahinter sieht nichts. Erdbeobachtung aus dem All liefert zwar täglich ein Bild der Wirklichkeit, doch erst die Verbindung mit künstlicher Intelligenz erzeuge das, was Robbie Schingler „planetary intelligence“ nennt – Handlungsfähigkeit im Tempo der Veränderung.
Sein Ausgangspunkt ist der 14. Februar 2022. An der Grenze zwischen Belarus und der Ukraine tauchte über Nacht eine Pontonbrücke auf, wo tags zuvor nur ein Fluss war. Satelliten des Unternehmens erfassten sie, das Bild ging um die Welt. Zehn Tage später marschierte Russland in die Ukraine ein. Monate zuvor waren bereits Truppen und Panzer an der Grenze sichtbar gewesen.
Signal vorhanden, Reaktion zu langsam
Die Satelliten hätten exakt so funktioniert wie geplant, sagt Schingler. Versagt hätten die Institutionen: Bündnisse und Abstimmungsmechanismen seien nicht für Signale in dieser Geschwindigkeit und Menge gebaut. Westliche Staaten koordinierten Sanktionen, den Krieg verhinderten sie nicht.
Wie die Lücke zwischen Wissen und Handeln schrumpfen kann, zeigt er an zwei Beispielen: Im brasilianischen Amazonasgebiet nutzen über 100.000 Beschäftigte staatlicher Stellen ein Überwachungssystem; die Entwaldungsraten sanken dort um mehr als 50 Prozent. In Kenia löst der Zustand des Grases automatische Versicherungszahlungen an Viehhalter aus.
Sein Fazit: „I started my career believing that information would save us. I now know that only coordination actually will.“


