Schach-WM 2026 in der Schweiz: FIDE kürzt Funktionär-Honorare und streicht die Teammanager-Suite
Der FIDE-Rat hat auf seiner Sitzung am 23. August das Reglement für das WM-Match zwischen Gukesh und Javokhir Sindarov verabschiedet. Das Papier weist gegenüber dem WM-Match 2024 mehrere Änderungen auf. Beim Datum fällt zudem eine Diskrepanz auf. Während die FIDE bei der Standortbekanntgabe Ende Juli 25. November bis 15. Dezember kommuniziert hatte, steht im nun vorliegenden Reglement 22. November bis 13. Dezember.
Als Ausrichter benennt das Reglement formal die FIDE selbst. Das beantwortet nicht, wer die Kosten trägt. Das Gesamtbudget des Matches liegt bei mindestens 8,5 Millionen Dollar – darin enthalten ein Preisfonds von 2,5 Millionen sowie eine FIDE-Gebühr von 1,1 Millionen Dollar. Ein Match-Sponsor steht bislang offiziell nicht fest. Der Preisfonds bleibt gegenüber 2024 unverändert.
Versuch des Wandels: Vom Oligarchenclub zum Sportveranstalter
Für die FIDE ist das WM-Match die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle, seitdem sich der Verband gewandelt hat, nachdem 2021 die Vermarktungsrechte von Agon/World Chess zurückgekehrt waren. Kam früher ein erheblicher Teil der FIDE-Einnahmen aus allgemeinen Spenden und Zuwendungen – 2019 noch rund 40 Prozent –, stammten 2024 bereits 80 Prozent der Einnahmen aus dem eigenen Turnierbetrieb, 2023 sogar 85 Prozent. Eine zweite tragende Einnahmesäule neben den Events gibt es praktisch nicht mehr. Bricht der Ertrag aus dem Turnierkalender ein, wie 2024 geschehen, muss die FIDE das aus der Substanz ausgleichen. 2024 sank der Reservefonds, die Rücklage des Verbands, von 2,33 auf 1,64 Millionen Euro.
Für seine drei zuletzt ausgetragenen WM-Matches wies der Verband in seinen Jahresabschlüssen jeweils einen deutlichen Nettoertrag aus: 2021 in Dubai rund 1,47 Millionen Euro bei einer Bruttoeinnahme von 4,15 Millionen Euro, 2023 in Astana rund 2,33 Millionen Euro bei 6,79 Millionen Euro brutto, und zuletzt 2024 in Singapur rund 1,93 Millionen Euro bei 4,44 Millionen Euro brutto. Von den Bruttoeinnahmen gehen unter anderem das Preisgeld sowie Kosten für Organisation, Übertragung und Reisen ab. 2024 lieferte das WM-Match rund 85 Prozent des gesamten Nettoertrags, den die FIDE aus ihrem kompletten Turnierbetrieb erzielte.

Ein Defizit und seine Ursachen
Finanziell steht der Verband unter Druck. 2024 schloss er mit einem Defizit von rund 695.000 Euro, nachdem 2023 ein Überschuss von gut einer Million Euro zu Buche gestanden hatte. Ursache waren vor allem eingebrochene Einnahmen aus dem Turnierbetrieb sowie fast vollständig weggefallene freie, nicht an Veranstaltungen gebundene Sponsoren- und Spendengelder. Die eigene Prüfkommission („Verification Commission“) hat zudem vor einem strukturellen Problem gewarnt: Die Verwaltungskosten am FIDE-Sitz in Lausanne sowie am Standort Athen sind zuletzt deutlich gestiegen, während der Entwicklungsfonds, der die Förderung des Schachsports in Kontinental- und nationalen Verbänden finanziert, 2023 und 2024 von 1,84 auf 1,39 auf 1,35 Millionen Euro gekürzt wurde.
Ein gescheiterter Deal
Für 2025 liegt noch kein Jahresabschluss vor. FIDE-Schatzmeisterin Zhu Chen erklärte bei der Generalversammlung im Dezember 2025, das Budget sei ausgeglichen und das Jahresergebnis werde voraussichtlich nahe an der Planung liegen. Zum Entwicklungsfonds machte sie für 2025 keine Angaben. Aber sie lieferte eine Erklärung dafür, warum die Sponsoreneinnahmen 2024 weit hinter dem Budget zurückgeblieben waren. Die FIDE hatte über ein Regionalbüro in China verhandelt und mit einer damit verbundenen lokalen Sponsoring-Zusage von 3 Millionen Euro jährlich gerechnet. Die Partnerschaft kam nicht zustande.
Neue Regeln für Genf
Beim WM-Match 2026 fallen nun die Honorare für die leitenden Funktionäre niedriger aus als 2024. Die Positionen „Social Content Manager“ und „Photographer“, 2024 noch mit je 4.200 US-Dollar vergütet, tauchen in der aktuellen Liste nicht mehr auf. Die Honorare für Schiedsrichter-Positionen und das Appeals Committee sinken. Neu eingeführt wird die Position eines Turnierdirektors mit einem Honorar von 7.200 Euro. Die Gesamtsumme aller Honorare liegt 2026 bei 38.300 Euro. 2024 waren es 53.830 US-Dollar.
Die Auszahlung des Preisgelds an die Spieler verzögert sich. Nach Abschluss des Matches muss der Restbetrag laut Reglement 2026 innerhalb von 30 Arbeitstagen überwiesen werden; 2024 waren es 14 Arbeitstage. Die Reisekostenunterstützung für die Spielerteams fällt geringer aus. 2024 finanzierte die FIDE eine Unterkunft für einen Team-Manager sowie vier weitere Teammitglieder. 2026 sind es noch zwei Teammitglieder. Die gesonderte Suite für den Team-Manager entfällt.



Dass es noch keinen bekannten Hauptsponsor gibt, ist etwas ungewöhnlich für den Moment. Es könnte mit der anstehenden Wahl zum Fide-Präsidenten zusammenhängen. Ein etwas zusammengekürztes Budget ist für sich genommen kein Problemindikator. Manche Ausstattung der Funktionäre ist bei Schachveranstaltungen etwas üppig. In Dresden hat der Schachbund seine Leute auch zu teuer untergebracht, was bekanntlich zu internen Spannungen mit der Schirifraktion dort geführt hat. Für London 2018 war dem Fidepräsidenten ein besseres Hotel als den Spielern in den Regularien garantiert. Ein Abbau von solchen sanften Privilegien wäre also durchaus sinnvoll. Zum Turnierdirektor: Das ist bisher der Job von Tregubov gewesen, zuletzt… Weiterlesen »