Leonardo Costa und Jana Schneider sind Deutsche Meister 2026 – der eine will in die Nationalmannschaft, die andere ist schon drin

Leonardo Costa und Jana Schneider sind die Deutschen Meister 2026. Costa sicherte sich beim Schachgipfel in Dresden mit einem Remis gegen Dmitrij Kollars in der Schlussrunde den Titel, Schneider gewann zum Abschluss gegen Kateryna Dolzhykova und wurde damit ungeschlagen Deutsche Meisterin der Frauen. Costa löst Vincent Keymer ab, der angesichts der bevorstehenden Grand-Chess-Tour-Serie in Saint Louis abgesagt hatte. Schneider übernimmt den Meistertitel von Dinara Wagner, die anfangs das Turnier dominierte, aber die Schlagzahl nicht zu halten vermochte.

Deutsche Meister 2026: Leonardo Costa und Jana Schneider. | Fotomontage, Fotos: Finn Engesser/DSB

Costa kam auf sechs Punkte aus neun Partien. Er setzte sich vor Bennet Hagner und Luis Engel durch, die beide 5,5 Punkte erreichten. „Sensationell“, sagte der 18-Jährige nach dem Triumph. „Ich bin sehr glücklich. Egal, wie gut man sich auf ein Turnier vorbereitet: Man kann so einen Sieg nie fest einplanen. Es gehört immer auch ein Quäntchen Glück dazu.“

Costas zweiter Meistertitel, der erste richtige

Für Costa ist es der zweite Meistertitel, nachdem er 2022, 14-jährig, an 24 gesetzt, überraschend die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, allerdings eine, die diesen Namen nicht verdiente. Es war ein jahrelanger Prozess, um gegen die anhaltende Blockade der spitzensportfeindlichen Schachfreunde im DSB-Kongress die Selbstverständlichkeit durchzusetzen, dass die Deutsche Meisterschaft das Turnier der besten deutschen Spieler:innen sein sollte. Das ist sie nun endlich, und Costa hat gezeigt, dass er auch in diesem Kreis ganz vorne mitspielen kann.

Verstand keiner, ergab keinen Sinn, und insofern fand es der DSB-Kongress genau richtig.

Blitzstart, Rückschlag, drangeblieben

Den Grundstein für den Titel und den ersten Preis von 5000 Euro hatte Costa bereits am Vorschlusstag mit einem Sieg gegen den bis dahin führenden Bennet Hagner gelegt. Bis dahin war das Turnier nach Costas Blitzstart lange offen gewesen: Nach zwei Siegen zum Auftakt lag Costa vorne, dann setzte es in Runde vier gegen Alexander Donchenko die erste Niederlage, und damit war die Führung weg. Erst in Runde acht, mit dem Sieg gegen Hagner, kehrte er gemeinsam mit Luis Engel an die Spitze zurück. In der letzten Runde verlor Engel gegen Donchenko, und Costa sicherte sich mit einem Remis gegen Dmitrij Kollars den Titel.

Leonardo Costa nach dem Triumph im DSB-Gespräch. Alle Zitate in diesem Text sind den Berichten auf der DSB-Website und den DSB-Videos entnommen.

„Ich würde sogar sagen, dass es das beste Turnier war, das ich bisher gespielt habe – gerade in diesem starken Umfeld“, sagte Costa. Zwar sei das Turnier angesichts der Abwesenheit von Keymer, Frederik Svane und Matthias Blübaum (in Biel) nicht ganz so stark besetzt gewesen wie 2025 in München, aber 6/9 und eine Performance von 2663 sprechen dafür, dass Costa bald den nächsten Meilenstein erreicht. Den peilt er längst an, die 2600-Elo-Marke nämlich. „Das würde meinen Weg in Richtung Nationalmannschaft ebnen“, sagte Costa.

Luis Engel spielte ein starkes Turnier, aber hier war ihm gegen Alexander Donchenko ein arger Schnitzer unterlaufen. Schwarz zieht und gewinnt. Wie geht das?

Costa führt seinen Erfolg auch auf eine veränderte Vorbereitung zurück. „Ich habe mich vor dem Turnier sehr gut vorbereitet – nicht nur eröffnungsmäßig, wie viele vielleicht denken“, sagte er. „Ich habe vor allem sehr viel Variantenberechnung trainiert.“ Unterstützt wird er dabei von seinen Trainern Pawel Eljanow und Wojciech Moranda, ermöglicht durch die Förderung von Roman Krulich. Nach dem Abitur plant Costa ein „Schachjahr“ mit intensivem Training und möglichst vielen starken Turnieren, bevor er sich zwischen einer Profikarriere und einem Studium – etwa im Bereich Elektrotechnik – entscheiden will.

Bennet Hagner, der zweite Sieger des Turniers

Für den Deutschen Meistertitel hat es nicht ganz gereicht, gleichwohl darf sich der andere angehende Abiturient im Feld ebenfalls als Gewinner fühlen. Bennet Hagner belegt mit 5,5/9 Rang zwei, geteilt mit Luis Engel. Mit Elo 2451 als Außenseiter angetreten, sicherte er sich mit einem Remis in der letzten Runde gegen Tobias Kügel seine zweite Großmeisternorm. Performance: 2628.

Bennet Hagner gelang in Dresden seine zweite GM-Norm. Die erste hatte er für die OSG Baden-Baden in der Schachbundesliga erzielt. | Foto: Finn Engesser/DSB

Deutsche Meisterschaft der Frauen

Bei den Frauen wurde Schneider mit sieben Punkten aus neun Partien Deutsche Meisterin, einen halben Zähler vor Lara Schulze. Sarah Papp wurde Dritte, Dinara Wagner aufgrund der Feinwertung Vierte, jeweils mit 6/9.

Für Schneider war es ein Ausrufezeichen zur rechten Zeit. Ihr Potenzial ist unbestritten, aber von ihrem Elohoch von vor fünf Jahren (2353) ist sie knapp 80 Punkte entfernt. Im vergangenen Jahr fürchtete sie, aus dem Bundeskader und damit aus der Nationalmannschaft für die Schacholympiade zu fliegen. Mit dem neuen DOSB-Kadersystem seit 2026 gelten deutlich strengere Leistungskriterien: Spielerinnen müssen nun altersabhängige Elo-Grenzen erreichen oder klar definierte internationale Erfolge in Form von Medaillen nachweisen. Schneider hatte die Elo-Grenze von 2325 knapp verpasst. Der Rettungsanker: Wenige Ausnahmen sind möglich, und in ihrem Fall ließ die DSB-Leistungssportkommission eine Ausnahmeregelung greifen.

Jana Schneider nach dem Titelgewinn.

Die Ausgangslage vor der Schlussrunde war unübersichtlich: Schneider und Titelverteidigerin Wagner führten das Feld mit jeweils sechs Punkten an, Lara Schulze und Kateryna Dolzhykova lagen einen halben Punkt dahinter. Diese vier trafen aufeinander, um den Titel unter sich auszumachen: Schneider gegen Dolzhykova und Schulze gegen Wagner.

Schneider legte die Scheuklappen an, fokussierte sich auf ihre Partie: „Ich wusste, wenn ich gewinne, bin ich zumindest geteilte Erste. Wenn ich verliere, werde ich vielleicht nur Vierte.“ Als Dolzhykova aufgab, stand fest, dass Schulze gegen Wagner gewonnen hatte – Schneider war damit alleinige Siegerin. „Es hört sich noch ein bisschen unreal an“, sagte sie. „Ich kann es gar nicht richtig glauben.“

Titelverteidigerin erst auf Kurs, dann strauchelnd

Anfangs schien Wagner auf dem Weg zur Titelverteidigung zu sein. Nach einem Auftaktremis gegen Schneider baute sie ihre Führung bis Runde fünf auf einen Punkt Vorsprung aus. In Runde sechs kassierte sie gegen Dolzhykova ihre erste Niederlage, blieb aber bis Runde acht in Führung oder Mitführung. Erst das Remis gegen Papp in der vorletzten Runde und die Niederlage gegen Schulze zum Schluss ließen sie auf Platz vier zurückfallen.

Vincent Keymer und Dinara Wagner sind nach 14 Monaten nicht mehr die amtierenden Deutschen Meister. Keymer fehlte in Dresden, Wagner gelang die Titelverteidigung nicht.

Schneider selbst war entspannt in das Turnier gegangen. „Ich habe dieses Jahr bis zur Europameisterschaft sehr viel Schach gespielt“, sagte sie. „Dann kam die Olympiade-Nominierung, über die ich mich sehr gefreut habe. Danach habe ich mir gedacht: Die habe ich, jetzt gibt es nichts mehr zu verlieren.“ Das Turnier habe sie als Olympia-Vorbereitung gesehen.

Nach einem geretteten Remis gegen Schulze zum Auftakt blieb sie über die gesamte Distanz ungeschlagen. Schneider dankte insbesondere Josefine Safarli und Sarah Papp für die gegenseitige Unterstützung während des Turniers sowie ihrem Trainer Michael Prusikin. Ein Wermutstropfen: Schneiders Performance von 2456 hätte rechnerisch für eine IM-Norm gereicht. Doch unter ihren Gegnerinnen fanden sich nur zwei Spielerinnen mit IM- oder GM-Titel – die erforderliche dritte fehlte. GM Elisabeth Pähtz war zwar anwesend, aber nicht Teil des Turniers. Sie kommentierte für den DSB. Deutsche Meisterschaft will sie erst wieder spielen, wenn das Preisgeld der Frauen dem der Männer angeglichen wird.

Bundestrainer Efimenko, der zweite Gewinner des Turniers

Im September tritt Schneider mit dem deutschen Frauenteam bei der Schacholympiade in Samarkand an, für die Bundestrainer Zahar Efimenko neben ihr Dinara Wagner, ElisabethPähtz, Hanna Marie Klek (die parallel das Dole-Open spielte) und Lara Schulze nominiert hat. „Ich habe das Turnier ein bisschen als Vorbereitung auf die Olympiade gesehen“, sagte Schneider. „Ich hoffe, dass mir das auch dort Rückenwind gibt.“

Dass Jana Schneider Schacholympiade kann, hat sie schon bewiesen. Und wie!

Als Gewinner der Meisterschaft darf sich auch Efimenko fühlen. Der hatte überraschend die eigentlich als Stammspielerin geltende Josefine Safarli nicht für die Schacholympiade nominiert, stattdessen mit Jana Schneider und Lara Schulze zwei Spielerinnen, die (noch) nicht zur Stammbesetzung des Deutschlandvierers gehören. Die beiden gerade erst nominierten Nationalspielerinnen beendeten die Deutsche Meisterschaft auf den Rängen eins und zwei.

Nach EM-Bronze 2025 steht Zahar Efimenko mit seinen Schützlingen nun vor der Schacholympiade 2026.

Blitzmeisterschaft: Rasmus Svane und Josefine Safarli setzen sich durch

Nach den Meisterschaften im klassischen Schach endeten die Dresdner Schachtage mit den Deutschen Meisterschaften im Blitzschach. Rasmus Svane und Josefine Safarli gewannen die Titel.

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