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Josef Pribyl (1947-2026)

RIP, Josef 😢

Knapp 20 Jahre her, da gelang unserem Stadtteilclub der Aufstieg in die NRW-Klasse. Boah. Uns war klar, dass das schwierig wird, aber unser Mittel- und Unterbau könnte gut genug sein. Was uns fehlte, war ein veritables erstes Brett, ein Anführer von Spitzenklasse, der die Cracks aus Düsseldorf, Bochum oder Essen ausbremst. Und so verpflichtete der Brackweder SK zum mutmaßlich ersten und einzigen Mal in der 1924 beginnenden Vereinsgeschichte einen Legionär.

Josef Pribyl, Jahrgang 1947, hatte seine große Zeit in den 70ern und 80ern. X-facher Nationalspieler, diverse Turniere gewonnen, sogar eine Eröffnung ist nach ihm benannt. Am Großmeistertitel ist er knapp vorbeigeschrammt, aber ab den 90ern hat er als Coach und Akademiegründer einige Talente zu höchsten Weihen geführt, darunter die langjährige tschechische Nummer eins David Navara. 2024 wurde er in die Ruhmeshalle des tschechischen Verbands aufgenommen.

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Josef zu Mannschaftskämpfen einzufliegen, dafür reichte es damals nicht. Stattdessen musste er sich in Prag in seinen klapprigen Skoda setzen (klapprig weiß ich noch, Skoda nicht mehr, aber was sonst könnte er gefahren sein?), um die gut 600 Kilometer bis Brackwede zurückzulegen. Oder bis Bielefeld-Zentrum, genauer: Siegfriedplatz, wo uns an einem Sonntag im April zwei Spieltage vor Saisonende der mächtige Bielefelder SK empfing.

Ein Bielefelder Lokalduell auf Landesebene! Auch das mindestens eine Rarität, womöglich eine Premiere. Aber nun war der erste Club der Stadt von der Bundesliga über die 2. Bundesliga bis in die NRW-Klasse hinuntergereicht worden. Dort mussten die Bielefelder im Duell mit uns beweisen, dass sie immer noch Ostwestfalens Nummer eins sind.

An Josef lag es nicht, dass wir 3:5 verloren haben. Er hat seinen Auftrag erfüllt, am ersten Brett nichts anbrennen lassen. Dann hat er auf dem Siggi analysierend die Frühlingssonne genossen. Leider habe ich mich an jenem Sonntag nicht dazusetzen können, um vom tschechischen Schachprofessor die eine oder andere Weisheit aufzuschnappen, weil ich drinnen sechs Stunden lang darum kämpfte, die Ruine zusammenzuhalten, die ich mir hatte andrehen lassen.

Unser Aufenthalt auf NRW-Ebene war von kurzer Dauer, Josefs Engagement in Brackwede auch. In den Jahren danach ist mir sein Name regelmäßig begegnet, als Trainer, Autor, Organisator und bis zuletzt als Spieler. Und jedes Mal habe ich kurz innegehalten, wenn da wieder irgendwo „Josef Pribyl“ stand. Ja, Josef aus Prag, mein alter Mannschaftskamerad.

Am Montag ist Josef gestorben. Draußen wird wieder Sommer sein, wenn bei der Trauerfeier nächsten Freitag in Prag die Menschen seiner gedenken. Sie werden einiges zu erzählen haben. Ich habe nicht viel mehr als diesen Sonntag auf dem Siggi.

Mach’s gut, Josef.

Bielefelder Lokalduell auf NRW-Ebene, das war der örtlichen Zeitung eine ganze Seite wert.

Mit Dank an Jens Placke vom Brackweder SK für den am Bodensee längst vergessenen (und jetzt neu entdeckten) Zeitungsausschnitt und das Foto.

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