Weltmeister zu werden war der größte Antrieb – und genau das macht es jetzt schwierig. Das sagte Gukesh in einem bemerkenswert offenen Gespräch mit der Hindustan Times. Der 20-jährige Schachweltmeister steckt in einem Tief. Nach einem schwachen Abschneiden beim Norway Chess und mit der Titelverteidigung in sechs Monaten vor Augen beschreibt Gukesh, wie sein bestimmender Charakterzug – Ehrgeiz – ihn derzeit ausbremst.
Er spiele zu oft auf Sieg, wo Objektivität gefragt wäre: „Manchmal, wenn man das Ergebnis zu sehr will, steht es der eigenen Objektivität im Weg – und genau das ist passiert.“ Partien, die er hätte retten können, habe er verloren. „Es gibt keine Entschuldigung dafür, nicht objektiv zu sein. Es ist die Aufgabe eines Profis.“

Das tiefere Problem liegt nicht im gelegentlich überzogenen Siegeswillen. Gukesh gewann den WM-Titel mit 18 Jahren – und verlor damit das Ziel, auf das er jahrelang hingearbeitet hatte. „Weltmeister zu werden ist für jeden ein gewaltiger Antrieb“, sagt er. Und ergänzt: „Aber die meisten Spieler haben das Glück, es nie zu erreichen.“ 2025 habe es Phasen gegeben, in denen die Motivation fehlte. Seither sucht er nach einem Antrieb, der von innen kommt.
Gukesh beschreibt ein strukturelles Problem: Wer sich durch Ergebnisse – Turniersiege, Titel, Ranglisten – motiviert, hat ein Motivationssystem, das von außen gesteuert wird. Das funktioniert, solange die Ergebnisse kommen. Aber es hat Schwachstellen: Wer nur durch Erfolg angetrieben wird, verliert in schlechten Phasen den Antrieb gleich mit. Außerdem kann man das höchste Ziel nur einmal zum ersten Mal erreichen. Den WM-Titel zu gewinnen war jahrelang der Motor. Jetzt ist dieses Ziel weg, und der externe Anreiz funktioniert nicht mehr so wie vorher.
Deshalb sagt Gukesh, er müsse sich mit dem inneren Grund verbinden, warum er überhaupt Schach spielt. Nicht „ich will der Beste sein“, sondern etwas, das unabhängig von Ergebnissen trägt: Neugier, Liebe zum Spiel, der Reiz des Lernens.
Gukeshs Arbeit mit Mentaltrainer Paddy Upton läuft weiter. Gukesh sieht Fortschritte gegenüber den Monaten zuvor, beschreibt den Weg aber als weit. Sein Grundsatz: Verbesserung kommt vor Ergebnissen. „Wenn ich wirklich glaube, dass Verbesserung stattfindet, werden die Ergebnisse folgen.“
Auf die Frage, was ihm am Schach gerade Freude bereite, antwortet Gukesh ohne Beschönigung: „Es ist gerade eine Herausforderung.“ Er versuche, jeden Tag etwas Neues zu lernen und Spaß daran zu finden. Was ihn am Brett hält, ist die schlichte Feststellung: „Ich kenne einfach nichts anderes, womit ich meinen ganzen Tag verbringen möchte.“ Dass er trotz schlechter Ergebnisse weitermache, wertet er selbst als Zeichen: „Allein die Tatsache, dass ich so hart versuche – das bedeutet, dass da etwas hinter all dem steckt.“
Schach-WM 2026: Ausschreibungsfrist abgelaufen
In sechs Monaten muss Gukesh seinen Titel verteidigen. Der WM-Kampf zwischen Gukesh und Herausforderer Javokhir Sindarov ist für den Zeitraum 23. November bis 17. Dezember 2026 angesetzt. Wo das Match stattfindet, ist noch offen: Die FIDE hatte die Ausschreibungsfrist für Ausrichter zuletzt bis zum 21. Juni 2026 verlängert. Welche Bewerbungen eingegangen sind und wann ein Austragungsort bekanntgegeben wird, hat die FIDE bislang nicht mitgeteilt.


Bei Ding Liren hat die Phase eine Weile gedauert.
Ich drücke ihm die Daumen das er seinen Weg wiederfindet.
Es wäre sonst sehr schade.