Die Schachsets aus gepresstem Kokain, abgeschickt in Südamerika, hat der Mann aus Marl nie erhalten. Jetzt steht er trotzdem wegen Schmuggels vor Gericht. Zum Auftakt des Prozesses am Landgericht Essen gestand der 40-Jährige den versuchten Schmuggel von 4,5 Kilogramm Kokain im Wert von mehr als 300.000 Euro. Er und ein vermeintlicher Komplize sollen vom schnellen Geld geträumt haben.
Nach einem Bericht der Marler Zeitung (Abo) erklärte der Angeklagte, die Idee, Schachfiguren aus Kokain zu pressen und den Stoff auf diese Weise zu versenden, stamme von einem Freund namens „Willi“. Willi soll zugesagt haben, dem Kokain eine chemische Komponente zu entziehen, sodass es bei Drogenkontrollen nicht auffällt. Der Freund habe später nach Deutschland kommen wollen, um die Substanz wieder hinzuzufügen.

Drogenschmuggel mit Schachtarnung ist kein Einzelfall. Figuren und Bretter dienen Schmugglern weltweit immer wieder als Versteck – für Kokain, Cannabis oder Fentanyl. In diesem Fall wurden beide Pakete in Argentinien abgefangen, nachdem ein Drogenspürhund angeschlagen hatte. Als Ermittler die Figuren mit einem Teppichmesser anritzten, bröselten sie sofort. Sie bestanden vollständig aus gepresstem Kokain.
Vor Gericht erklärte der Angeklagte, er habe eigentlich nur ein Kilogramm bestellt. Abnehmer hatte er keine, Kontakt zu echten Dealern ebenfalls nicht. Er nehme kein Kokain, aber bezeichnete sich als Kiffer. Den Gewinn aus dem Koksverkauf wollte er mit Willi teilen – „fifty-fifty“. Wo Willi heute ist, weiß er offenbar nicht. Die beiden kennen sich nach Aussagen des Angeklagten seit über 20 Jahren, hatten zuletzt aber kaum noch Kontakt. „Er muss irgendwie untergetaucht sein.“
Etwa ein Vierteljahr nach der Entdeckung der Pakete in Südamerika schlug die Staatsanwaltschaft Essen zu. Am 1. September 2025 durchsuchten Ermittler die Wohnung des Angeklagten in Marl sowie die seiner Mutter in Lünen. Den 40-Jährigen trafen die Beamten zu Hause an. Er wurde festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Dass das SEK morgens um sechs Uhr vor der Tür seiner Mutter stand, beschäftige ihn noch heute, sagte er im Landgericht. Ein Urteil wird laut Marler Zeitung in der zweiten Junihälfte erwartet.

