Auf der ausufernden Tagesordnung des außerordentlichen DSB-Kongresses an diesem Samstag in Frankfurt steht auch ein „Safe Sport Code“. Das ist ein vom Sportdachverband DOSB erarbeitetes Regelwerk für den Umgang mit allen Formen von Gewalt innerhalb einer Sportorganisation. Ob der DSB für entsprechende Disziplinarverfahren eine Ethikkommission ins Leben ruft, eine(n) Good Governance-Beauftragte(n) wählt oder sich an die Zentrale Hinweisstelle beim DOSB anschließt, werde noch geprüft, teilt die Safe Sport-Koordinatorin Astrid Hohl aus der Geschäftsstelle mit.
Formal bekommt der DSB damit eine Struktur, um auch gegen psychische Gewalt, also Mobbing vorzugehen. Faktisch ist der Safe Sport Code darauf ausgerichtet, Aktive vor Übergriffen und Schikanen durch andere Aktive, Trainer oder Funktionäre zu schützen. Um vorzubeugen, dass Ehrenamtliche sich gegenseitig mobben, taugt das Instrument laut Juristen nicht wirklich und wohl nicht einmal zur Beilegung von Zerwürfnissen.
Ein plausibler Weg, um Streit innerhalb eines Vorstands zu vermeiden, ist die Blockwahl, also dass der Präsident und die Vizepräsidenten nicht einzeln, sondern als Team gewählt werden. Als Ullrich Krause im Februar 2023 als Präsident abtrat, hinterließ er unter anderem diesen Wunsch: „…, dass ein Ticket aus Personen gewählt wird, die vertrauensvoll miteinander umgehen können und für die der DSB eine Herzensangelegenheit ist.“
Richard Lutz hat die Teamwahl bei seiner Kandidatur faktisch eingefordert. Um nicht schon bei der Vorstandsarbeit zu scheitern, bestand er darauf, mit einem Team arbeiten zu können. Weil sich bei den Sondierungen mit den Landesverbänden abzeichnete, dass zwei seiner als Vizepräsidenten vorgesehenen Kandidaten keine Mehrheit sicher war, steht das Team Lutz nicht mehr zur Verfügung.
Im DSB wurden in den letzten Jahren intensive Satzungsdiskussionen geführt; die Blockwahl soll dabei noch kein Thema gewesen sein. In Vereinen, die Mühe haben, überhaupt alle vorgeschriebenen Vorstandsposten zu besetzen, ist Blockwahl keine Option, doch im großen Schach, in der FIDE und der ECU ist sie üblich. Auch einige Schachverbände in Nachbarländern haben damit gute Erfahrungen. Im deutschen Sport ist die Blockwahl noch die Ausnahme, aber wahrscheinlich im Kommen. 2022 hat der DFB, also der mitgliederstärkste Fachverband, sie eingeführt. Im DSB ist für eine Satzungsänderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.
(Titelbild: Open AI)

