Unterschlagung? Ermittlungen gegen Großmeister Alojzije Jankovic

Der Kroatische Schachverband hat Strafanzeige gegen seinen früheren Generalsekretär Alojzije Janković erstattet. Nach übereinstimmenden Berichten kroatischer Medien werden dem Großmeister Unterschlagung, Betrug und Wirtschaftsbetrug vorgeworfen. Grundlage ist ein mehrmonatiges internes Prüfverfahren. Der geschätzte Schaden soll sich inoffiziellen Angaben zufolge auf rund 190.000 Euro belaufen.

Chessbase India hat Jankovic unlängst ein ausführliches Porträt gewidmet.

Janković weist alle Vorwürfe zurück. In einer öffentlichen Stellungnahme, verbreitet unter anderem auf Facebook, bezeichnete er die Anzeige als Ablenkungsmanöver des aktuellen Verbandsvorstands und kündigte an, die Anschuldigungen vor Gericht zu widerlegen. Er schildert den Verband als seit Jahren zerrissen durch interne Machtkämpfe – und sich selbst als denjenigen, der einen finanziell maroden Verband 2016 vor dem Kollaps bewahrt habe.

Janković, Jahrgang 1983, war von 2016 bis zu seiner faktischen Abberufung im Februar 2025 Generalsekretär des Verbands. Sein Arbeitsvertrag wurde im Mai 2025 fristlos gekündigt. Bekannt ist er unter anderem als langjähriger Moderator einer Schachsendung im kroatischen Staatsfernsehen sowie als Vizepräsident der European Chess Union (ECU). Zuletzt hat er für die ECU die Europameisterschaft live kommentiert. Bei der kommenden ECU-Wahl tritt er im Team des polnischen FIDE-Generalsekretärs Lukasz Turlej als Kandidat für das Amt des ECU-Generalsekretärs an.

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Über die Strafanzeige informierte der Verband am 21. April 2026. Der Fall fällt in eine breitere Krise des kroatischen Verbandssports. Gegen mehrere Fachverbände – darunter den Skiverband, wo ein Schaden von rund 30 Millionen Euro im Raum steht – laufen Ermittlungen. Ob und inwiefern der Schachverband in diese Zusammenhänge eingebettet ist, bleibt offen. Die Staatsanwaltschaft hat sich bislang nicht geäußert.

Jankovic ist international der zweite Schachgroßmeister binnen weniger Tage, der sich behördlichen Ermittlungen ausgesetzt sieht. Am Freitag vergangener Woche ist in Armenien der frühere Weltklassespieler Smbat Lputian kurzzeitig festgenommen worden. Die Vorwürfe: Betrug und Urkundenfälschung.

(Titelfoto: Chessbase India)

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