Der Weltschachverband FIDE steht nach Angaben seines früheren Kommunikationschefs David Llada vor dem Verlust seiner Bankverbindung. Der Verband werde sich bald nach einem neuen Kreditinstitut umsehen müssen. Grund seien Verbindungen des Verbands zu russischen Banken, die unter Sanktionen stehen.
Laut Llada haben FIDE-Mitarbeiter:innen bereits Vorauszahlungen mehrerer Gehälter erhalten, weil eine Sperrung der Konten erwartet werde. Zudem hätten Spieler:innen berichtet, dass fällige Preisgelder aus jüngsten Turnieren noch nicht ausgezahlt worden seien. Das deute darauf hin, dass Transaktionen bereits eingeschränkt seien oder unter Beobachtung stünden. Der Weltverband hat die am 15. März erhobenen und am 17. März noch verschärften Vorwürfe nicht kommentiert. Widersprochen hat bislang niemand.
Die FIDE (Finanzbericht 2024) beschäftigt laut Llada einen Großteil ihres Personals in Russland. Mit Beginn des Kriegs sei die Zahl russischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch gestiegen. Für Gehaltszahlungen nutze der Verband mehrere russische Banken, darunter die sanktionierte Gazprombank. Gleichzeitig stehe die spanische CaixaBank, bei der die FIDE seit 2019 ein Konto unterhält, wegen eigener Versäumnisse im Umgang mit risikoreichen Kunden unter Druck.
Parallele zur Krise 2018
Eine ähnliche Situation hatte es bereits 2018 gegeben. Damals verlor die FIDE unter Präsident Kirsan Iljumschinow ihre Bankverbindung, nachdem dieser auf die US-Sanktionsliste geraten war – geschäftliche Kontakte mit dem syrischen Regime von Baschar al-Assad: Das US-Finanzministerium warf ihm vor, als Mittelsmann Ölgeschäfte zwischen Assad und dem Islamischen Staat (IS) vermittelt zu haben. Iljumschinow bestritt das. Er sprach von einer „Verschwörung der USA“. Am 30. Juni 2025 verkündete US-Präsident Donald Trump die Aufhebung der Sanktionen. Iljumschinow wollte ihn persönlich treffen, um ihn für das „gerechte Urteil“ zu danken und eine Partie Schach zu spielen.
Ihr Bank-Problem 2018 hat die FIDE recht zügig gelöst. 2019 gelang es, mit der CaixaBank ein neues Konto zu eröffnen. Eine weitere Parallele erscheint möglich, da Iljumschinow-Nachfolger Arkady Dvorkovich dem Vernehmen nach auf der nächsten EU-Sanktionsliste stehen soll. Er wäre der zweite sanktionierte FIDE-Präsident in Folge.
Zusätzliche Vorwürfe
In einem weiteren Twitter-Beitrag zwei Tage später spricht Llada von Inkompetenz innerhalb der FIDE und stellt die Qualifikation des juristischen Beraters infrage. Als Beispiel schildert er einen eigenen Streit um die Nutzung von Bildmaterial aus seinem Archiv. Nach Einschätzung eines von ihm konsultierten Anwalts könne er Schadenersatz in Höhe von bis zu 18.000 Schweizer Franken geltend machen.
David Llada arbeitete von März 2019 bis November 2023 als Kommunikations- und Marketingchef der FIDE und gehörte in dieser Zeit zur Führungsebene des Verbands. Zuvor war er Chefredakteur des American Chess Magazine und als freier Fotograf international tätig. Seit seinem Ausscheiden bei der FIDE ist er als Kommunikationschef beim 2024 neu eröffneten Internet Chess Club (ICC) tätig. Über die FIDE hat sich Llada seit seinem Ausscheiden bislang allenfalls andeutungsweise geäußert.