Als mich neulich Nastassja Kinski mattgesetzt hat, das wird ein besonderer Moment dieses Jahres bleiben. Zum Glück hatte ich eine Kamera zur Hand, um mein Grundreihenmalheur und die dazugehörige Gegnerin abzulichten.

Als vor zweieinhalb Jahren bei mir eine Antwort von der Front bei Donezk eintraf, auch das wird bleiben. Volodymyr Selenskyi hatte gerade Igor Kovalenko für dessen Tapferkeit im Drohnenabwehrkampf ausgezeichnet, und nun wollte ich gerne Igor interviewen, um mir seine Geschichte erzählen zu lassen. Das hat tatsächlich geklappt – und zwei Jahre später erneut. Da war der angehende Priester und Schachprofi gerade vom Dienst an der Todeszone befreit, vorläufig zumindest. Sein neuer Auftrag: gesund werden und so gut Schach spielen, wie es geht. Wenig später hat Igor die ukrainische Nationalmannschaft zum Europameistertitel geführt.

Zur Erleichterung, dass er lebt, kam bei mir die Freude, dass die Süddeutsche Zeitung unser zweites Interview zum Anlass genommen hat, Igor fast eine ganze Seite zu widmen. Danke dafür, David Kulessa, auch dafür, dass Igors Hymne auf seinen deutschen Club und dessen Hilfsbereitschaft dringeblieben ist.
Als vor mehr als vier Jahren die Führungsriege des SC Viernheim fragte, ob ich mich einbringen möchte, war mir noch nicht klar, dass das ein besonderer Moment ist. Jetzt bin ich überzeugter Fan dieses Clubs, seiner Identität, seiner Haltung und seines professionellen Anspruchs. Vielleicht reihe ich mich ja irgendwann bei denen ein, die auf ihren privaten Social-Profilen vor allem Cheerleading betreiben. Und dann verfasse ich einen veritablen SCV-Jubelpost. Womöglich denke ich mir schon Ende April eine SCV-Hymne aus, wenn wir zum zweiten Mal nach 2024 Deutscher Meister werden.
Noch freie Plätze für das Simultan
Jetzt kommen erstmal die drei hier skizzierten Stränge zusammen. Igor wird am Donnerstag im Programmkino Brennessel in Hemsbachvor Publikum seine Geschichte erzählen. Vorher gibt er eine Simultanvorstellung (
noch Plätze frei), an der unter anderem Nastassja Kinski teilnehmen wird. Hinterher schauen alle gemeinsam die „Schachnovelle“. Wer während dieser Programmpunkte Hunger bekommt, labt sich an ukrainischen Spezialitäten. Tags darauf werden die Viernheimer Spitzenprofis am lokalen Blitzturnier teilnehmen, und am Samstag vermöbeln wir im Bundesliga-Heimspiel den FC Bayern. Das wird super.
Mein Anteil an der Veranstaltung an sich ist bescheiden, aber ich habe die Sache mit angeschoben. Der Kino-Öffentlichkeitsarbeiter Frank Krause hatte das SZ-Interview mit Igor gelesen und sich an den Club gewandt, ob man nicht gemeinsam etwas mit Schach, Kultur, Ukraine auf die Beine stellen könne. Ich hab‘ das von Anfang an für eine schöne Idee gehalten. Und die Sache verfolgt. Im Herbst während eines mehr als einstündigen Telefonats mit Frank entstand schließlich die Veranstaltung im Programmkino Brenessel, die jetzt Wirklichkeit wird.
Leider werde ich es am Donnerstag voraussichtlich nicht nach Hemsbach schaffen. Sehr schade. Umso mehr wünsche ich mir, dass es viele andere schaffen. Brennessel-Cup, Bühnengespräch, Simultan, Kulinarik, Schachfilm – diese erste Kooperation von Club und Kino soll nach Möglichkeit eine Tradition begründen. Themen, Charaktere und Filme werden uns nicht so schnell ausgehen. Jetzt muss sich nur noch offenbaren, ob die Einschätzung stimmt, dass es dafür ein Publikum gibt.
Ganz toller Artikel, DANKE CONRAD!
Tolle Aktion! Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie eine Schauspielerlegende wie Nastasja Kinski den Weg nach Viernheim fand!?