Bald ist es acht Jahre her, dass sich der Deutsche Schachbund von seinem DSAM-Beauftragten Dirk Jordan getrennt hat. Das sich derzeit im Dresdner Landgericht abspielende letzte Kapitel des strafrechtlichen Parts des juristischen Verfahrens gegen Jordan und seine Frau Martina könnte sich nun abermals verzögern. Der Grund ist kein juristischer, sondern ein potenziell explosiver.
In der Nähe des Gerichts lässt die Stadt nach alten Fliegerbomben suchen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie fündig wird. Ist das der Fall, könnte das Gericht in der Woche des nach einigen Verschiebungen nun auf den 12. März angesetzten nächsten und potenziell letzten Verhandlungstags evakuiert werden müssen.

Einige hundert Meter vom Gerichtsgebäude entfernt stürzte im September 2024 ein Teil der über die Elbe führenden Carolabrücke ein. Ein Gutachten zeigte, dass nicht nur der eingestürzte Teil marode war. Ein Wiederaufbau war unmöglich, die gesamte Brücke musste abgerissen werden. Das ist Ende 2025 geschehen. Schon während des 32 Millionen Euro teuren Abrisses fanden die sächsischen Kampfmittelexperten mehrere Blindgänger im Boden.
Nun soll eine neue Brücke gebaut werden. Wie die aussieht, ist noch nicht klar. Die Dresdnerinnen und Dresdner sollen dazu gehört werden, mehrere Entwürfe verschiedener Büros werden vorgestellt, und am Ende muss der Dresdner Stadtrat entscheiden. Sicher ist nur, es wird gebaut werden, und die Vorbereitungsarbeiten dafür haben schon im Zuge des Abrisses Ende 2025 begonnen.

Vor Bauarbeiten in Dresden steht stets die Suche nach Blindgängern, eine Folge der Bombardierung der Stadt im Februar 1945. Schätzungen zufolge liegen noch hunderte nicht detonierte Sprengsätze im Dresdner Erdreich. Die Suche rund um die Carolabrücke offenbarte zwei kritische Stellen: in zwei bis vier Meter Tiefe liegende Objekte, die sich mit einiger Wahrscheinlichkeit als Bombe entpuppen werden.
Ab Montag, 9. März, wird an der Carolabrücke gegraben und genauer hingeschaut. Sollten sich Bomben im Boden finden, muss vor deren Entschärfung, Räumung oder Sprengung in einem 1000-Meter-Radius eine Sperrzone eingerichtet werden. Etwa 18.000 Dresdnerinnen und Dresdner wären betroffen. Auch das Landgericht liegt in diesem 1000-Meter-Radius. Dort könnten in der für die Kampfmittelbeseitung angesetzten Woche vom 9. bis 13. März alle Verhandlungen ausfallen.

Kommt es so, gerät Richter Henrik Neumann in Zeitnot. Aus Dresdner Justizkreisen ist zu hören, formell habe der Richter bis zum 17. März Zeit, den nächsten Jordan-Prozesstag zu veranstalten. Würde er diesen Termin reißen, müsste er die Verhandlung von vorn beginnen.