„Wo bleibt das nächste Prinzenprojekt?“, heißt es seit Jahren. „Und wo ein Prinzessinnenprojekt?“ Über diesen allgegenwärtigen Fragen lässt sich leicht übersehen, dass die jetzt angestoßene U12-Mädchenforderung die konzeptionell viel bessere und potenziell nachhaltigere Idee ist, als dem bestehenden Konstrukt einfach nur ein Eliteprinzenkrönchen aufzusetzen. Der neue U12-Ansatz schließt eine Lücke, die lange offenstand. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier Leute über das nachgedacht haben, was sie tun, und nun zielführend umsetzen.
- Keine Hürden, keine Bürokratie: Mit dem unlängst eingerichteten Format „Super Tuesday“ haben wir eine Basis, ein niedrigschwelliges Format, das viele Mädchen erreicht, auch solche aus kleinen Vereinen ohne Leistungsumfeld. Die Super Tuesdays sind ein Sichtungssystem, das mit wenig Ressourcen flächendeckend wirkt. Die Sowjets mussten für sowas ihr Land einst mit Pionierpalästen überziehen. Wir filtern aus den Superdienstagen einen kleinen Leistungskern. Auf der anderen Seite dieses Filters kommt zum „Fördern“ das zu oft vernachlässigte „Fordern“.
- Vorbilder und Austausch: Die Dinaras, Elisabeths oder Josefines unseres Sports sind involviert, ansprechbar, und sie geben in der Gruppe weiter, was sie können und wissen.
- Flexible Kriterien: In der ersten Auswahlgruppe jenseits des Filters fordern wir nicht unmittelbar Elo. Stattdessen: Haltung, Ehrgeiz, Mut und Lernbereitschaft. Und die Gruppe ist immer noch offen, in beide Richtungen. Wer nicht mitzieht, fliegt raus, und wer unbedingt rein will, wird das schaffen. Zahlen zählen später.
- Klare Ziele: Letztlich geht es darum, dass wir sportlich etwas reißen wollen. Das bedeutet seit der Kaderreform umso mehr: international Medaillen holen. Die Verantwortlichen machen kein Geheimnis daraus, woran mittelfristig Erfolg gemessen wird, und das System ist daran ausgerichtet. Neben der Flexibilität beim Einstieg ist damit Verbindlichkeit auf der Zielgeraden geschaffen. Vom Super Tuesday für alle bis zur EM/WM für die Besten läuft die Sache transparent und leistungsorientiert.
Das Projekt ist natürlich vor dem Hintergrund der neu organisierten, gestrafften und umso mehr auf Leistung ausgerichteten Landes- und Bundeskader zu sehen. Und es repräsentiert die Antwort auf dieses neue System: Die, die etwas reißen können, sollen alle Unterstützung bekommen. Andere müssen aussortiert werden.
Manchen, die auf der Zielgeraden straucheln, wird die Antwort weh tun. Aber so ist das eben im Sport: Wer ihn als Leistungssport versteht und betreibt, muss damit rechnen, auf der Strecke zu bleiben. Schauen wir nur auf die vielen Fußballakademien im Lande und die große Mehrheit derjenigen Talente, deren Traum sich nicht erfüllt. Dieses Phänomen gibt es auch im Schach.
Top-Aktion! Die anscheinend auch gut angenommen wird, wie die stabilen 80+ Teilnehmerinnen zeigen.