Das Schach und seine Clubs

An Kindern, die zum Schach kommen, fehlt es nicht, aber wer soll die alle betreuen und trainieren? Was sie beim SK Marburg erleben, ist repräsentativ für eine Gemengelage, vor der viele Clubs stehen. Und es berührt einige akute Themen des organisierten Schachs, den Transfer von Hobbyspieler:innen in die Vereine etwa und die auf Seiten der Clubs dafür notwendigen Ressourcen. Die Frage, ob es sich vielleicht mehr denn je lohnt, haupt- oder freiberuflich Schach zu lehren. Angesichts des bundesweit kommenden Ganztagsunterrichts in allen Grundschulklassen stellt sich diese Frage umso mehr.

Seitdem es hier die Rubrik „Aus den Clubs und Verbänden“ gibt, lässt sich feststellen, dass die Themen überall ähnlich sind, ob in Marburg, Elmshorn oder Steppach.

Während die Marburger Trainer:innen suchen, offenbaren sich in Schleswig-Holstein andere Seiten der Medaille. Die regionale Mitgliederstatistik zeigt zweierlei: Während ein Handvoll von Clubs die Arbeit an der Kinder- und Jugendfront wuppt, ist eine Mehrheit von Clubs daran gar nicht interessiert. Die wollen, was legitim ist, nur untereinander spielen und altern, bis der Club sich irgendwann auflöst.

Ein anderer Aspekt: Auch dort, wo die Kinder in Scharen zum Schachverein kommen, weil das Angebot so gut ist, gehen sie dem Sport in großer Zahl verloren, sobald sie die Schule beenden. Diese Bruchstelle zu reparieren, markiert die vielleicht größte Herausforderung nicht nur beim Schachsport.

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Die Verantwortlichen der Vereine, die gar nicht daran interessiert sind, Kinder- und Jugendarbeit zu betreiben, möchten vielleicht mal in Bayern beim TSV Steppach anrufen. Auch dort sind sie jahrelang untereinander in trauter Gemeinschaft gealtert, bis die Schachabteilung ein Durchschnittsalter von Mitte 70 erreicht hatte. Dann die Erkenntnis: Wir müssen was tun, oder wir sind bald weg vom Fenster. Ein Kindertraining wurde geboren, und bald zeigte sich, dass eine Gemeinschaft umso besser funktioniert, wenn sie sich öffnet und alle Generationen einschließt. Alle Beteiligten empfinden es so, wie es jetzt ist, als Gewinn. Und zum Kindertraining in Steppach sind die Großeltern explizit mit eingeladen.

(Facebook-Eintrag vom 1. Februar)

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acepoint
acepoint
27 Tage zuvor

Da ich mich mit dem Thema seit mehreren Jahren beschäftige, weiß ich jetzt gar nicht, wo ich anfangen soll ;-). 1) Zum Ganztag: vor zwei Jahren habe ich angesichts dieser Thematik in einer Sitzung des Kreissportbundes die Leiterin einer Abteilung in der Kreisverwaltung darum gebeten, mir eine (existierende) E-Mail Liste der Ansprechpartner in Schulen zukommen zu lassen. Ich hatte angeboten, für Mitarbeiter des OGS und Lehrkräfte wegen „2026“ ein Schulschachseminar zu planen und wollte vorab die Nachfrage abklären. Das entsprechende Konzept hätte ich kostenlos zur Verfügung gestellt. Ihre Antwort: „Die Liste darf ich Ihnen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht geben, recherchieren… Weiterlesen »

Zuletzt bearbeitet am 27 Tage zuvor von acepoint