Den IM-Titel hat er längst, nun sollen sich die ersten GM-Normen einstellen. In Wijk aan Zee gab es trotz 2850-Performance keine GM-Norm für Christian Glöckler, da eine solche Norm bedingt, dass unter den Gegnern mindestens drei Großmeister sein müssen. Das wird in wenigen Tagen in Belgien beim „Wachtebeke Winter Round Robin“ der Fall sein. Beim Wachtebeke-Schachfestival geht ab dem 14. Februar das Schachjahr für Christian Glöckler weiter. 7 Punkte aus 9 Partien wird Glöckler für seine erste GM-Norm erzielen müssen.

Nicht nur er. Christian Glöckler sei das größte Talent in Deutschland, hatte sich Wijk-Interviewerin Fiona Steil-Antoni vor dem Gespräch mit dem 14-Jährigen erzählen lassen. Interessant wäre zu hören, was Hussain Besou dazu sagt, ebenfalls IM mit großen Zielen und das andere Ausnahmetalent im 2011-Jahrgang des deutschen Schachs. In Belgien werden die beiden einander am Brett begegnen. Auch Besou ist Teil des zehnköpfigen GM-Turniers.
Vincent Keymer und Matthias Blübaum sind schon da, wo Glöckler und Besou erst noch ankommen wollen, im „Masters“, der Weltklassegruppe und dem Aushängeschild des traditionellen Schachfests in Wijk an Zee. Beide haben ein starkes Turnier gespielt. Nach drei Siegen in Folge in den Vorschlussrunden hatte Keymer zum Schluss sogar noch eine kleine Chance, in den Kampf um den Turniersieg einzugreifen. Er war nahe dran, gegen Weltmeister Gukesh den vierten Sieg in Folge zu schaffen, aber auch das hätte nicht gereicht, um den wiedererstarkten Nodirbek Abdusattorov abzufangen. Mit 9/13 sicherte sich der Usbeke den Sieg. Keymer wurde mit 7,5/13 geteilter Dritter, Blübaum mit 7/13 geteilter Sechster. Der Bielefelder WM-Kandidat nimmt von der Nordeseeküste die Einsicht mit nach Ostwestfalen, dass gegen Gegner aus der Beletage des Denksports sogar noch mehr drin war.
Zum Interview nach Turnerschluss empfing Fiona Steil-Antoni nicht die beiden Masters-Teilnehmer aus Duitsland, sondern Christian Glöckler. Das Gespräch, übersetzt und redaktionell bearbeitet:
Christian, du hast gerade die Qualifiers-Gruppe mit 8,5 Punkten aus 9 Partien gewonnen. Ein unglaubliches Ergebnis, Glückwunsch!
Danke.
Heute hast du sogar noch die letzte Partie gewonnen, obwohl dein Turniersieg schon feststand. Jetzt bist du für die Challengers-Gruppe im nächsten Jahr qualifiziert. Wie fühlt sich das an?
Großartig. Wahrscheinlich war dieses mein bestes Turnier jemals.
Im vergangenen Jahr hast du mit 6/8 die Amateurgruppe 1B gewonnen und dich damit für das „Qualifiers“ 2026 qualifiziert. Dein Ziel war wahrscheinlich, jetzt den nächsten Schritt zu machen, und ins „Challgeners“ aufzusteigen.
Ja, natürlich. Nur dafür spielt man hier.
Und dann ist wirklich alles für dich gelaufen. Nur ein Remis, gegen Machteld van Foreest. Erzähl uns ein wenig, wie das Turnier für dich verlaufen ist. Gibt es eine Partie, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Das Turnier lief sehr gut. In einigen Partien war ich zwischendurch eigentlich verloren, und am Ende habe ich sie noch gewonnen – es waren verrückte Partien darunter. Das Remis gegen van Foreest war in Ordnung. Ich lag danach noch einen Punkt vorne bei zwei verbleibenden Runden, das war immer noch eine sehr gute Ausgangsposition. Henry Tudor hat ebenfalls ein sehr gutes Turnier gespielt. Dass ich ihn als meinen einzigen Verfolger in der zweiten Runde besiegt habe, war wichtig, das war eine Art früher Stichkampf um den Turniersieg. Am Ende hätten es zwei Punkte weniger sein können, aber hier war auch das Glück auf meiner Seite.
Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt es. Wir haben nachgeschaut: Niemand hat hier je 8,5 Punkte aus 9 Partien geholt. Am Ende hattest du eine Performance von 2852. Wenn das deine Wertungszahl wäre, wärst du Nummer eins der Welt. Hast du eigentlich schon eine Großmeister-Norm?
Noch nicht.
Nach diesem Turnier bist du schon nahe an der 2500-Großmeisterspielstärke dran.
Ja, 2470 oder so. Die GM-Norm kommt hoffentlich bald.
Davon bin ich überzeugt. Kolleginnen und Kollegen von Chessbase haben mir gesagt: Du musst mit Christian sprechen, er ist das größte Talent in Deutschland. Erzähl uns ein wenig über dich. Wann hast du angefangen zu spielen, und wie kam diese Entwicklung?
Ich habe ungefähr 2020 mit Schach angefangen, als Corona begann. Es gab zwar Aufgaben für die Schule, aber nicht so viele, und man konnte sonst nicht viel machen. Schach konnte man zu Hause am Computer gegen andere spielen, also habe ich online angefangen und später dann auch am Brett.
Arbeitest du mit einem Trainer? Ist das geheim, oder kannst du sagen, mit wem du trainierst?
Ich trainiere mit Thomas Pähtz und auch mit anderen, aber ich möchte nicht alle Namen nennen.
Geheimnisse… Blicken wir auf das nächste Jahr: Du bist der erste Spieler, der sich für die Challengers qualifiziert hat. Deine Gegner stehen noch nicht fest. Wie fühlt es sich an, daran zu denken, dass du in einem Jahr dort spielen wirst? Dieses Jahr hast du sie nur auf der anderen Seite der Absperrung gesehen.
Das wird wahrscheinlich das erste Mal sein, dass ich ein Turnier gegen so starke Gegner spiele. Normalerweise spiele ich offene Turniere. Schon hier im Qualifiers gab es mehr Raum und Abstand als sonst, und die Zuschauer konnten nicht so nah kommen. Nächstes Jahr wird das noch komfortabler.
Wir freuen uns alle darauf, dich nächstes Jahr im Challengers zu sehen. Wie gefällt es dir eigentlich in Wijk aan Zee?
Sehr gut, aber ich habe gar nicht so viel gesehen, weil ich meine Zeit dafür verwendet habe, mich auf die Partien vorzubereiten. Vergangenes Jahr war ich immerhin einmal am Strand.
Nächstes Jahr wirst du dafür mehr Zeit haben – dieses Jahr warst du zehn Tage hier, nächstes Jahr bist du das ganze Turnier da. Wir freuen uns darauf.
Danke.
Durch seinen schönen Erfolg in Wijk aan Zee hat Christian Glöckler 67 DWZ-Punkte hinzugewonnen und steht nun nach nur 51 Auswertungen bei einer DWZ von 2540. Damit ist er mit seinen 14 Jahren der derzeit bestplatzierte IM in der DWZ-Rangliste.
Wir dürfen gespannt sein, ob er demnächst seine erste GM-Norm erzielen und vielleicht sogar noch in diesem Jahr die Voraussetzungen für eine Ernennung zum Großmeister erfüllen kann.
Bei so einem maßgeschneiderten Rundenturnier sind die anderen Normjäger vielleicht eher ein Problem als die (relativ schwachen) GMs. Konkurrenz hat Glöckler da neben Hussain Besou auch vom Belgier Elias Ruzhanksy – ebenfalls Jahrgang 2011. Er erzielte über Weihnachten beim Chessfestival Groningen als Turniersieger bereits eine GM-Norm (außerdem eine IM-Norm für U16-Europameister Mykola Korchynskyi). Ruzhanksy ist im auch schachlich eher kleinen Belgien bereits die nationale Nummer 4, vielleicht sehen wir ihn auch bei der Olympiade (Glöckler eventuell „irgendwann“, aber jedenfalls nicht dieses Jahr). Elo-Schlusslicht ist der Engländer FM Supratit Banerjee (*2014) der wohl zunächst eine IM-Norm anstrebt. Eine hat er bereits… Weiterlesen »