Der Berufungsprozess gegen den Dresdner Schachorganisator Dirk Jordan und seine Frau Martina zieht sich länger hin als geplant. Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung (für Abonnenten) sind am Dresdner Landgericht weitere Verhandlungstage bis 12. März 2026 angesetzt. Ursprünglich war vorgesehen, das Verfahren bis zum 1. Dezember 2025 abzuschließen.
Im April 2023 war Dirk Jordan wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr in Tateinheit mit Untreue in 27 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Seine Frau Martina Jordan erhielt wegen vorsätzlicher Geldwäsche in 37 Fällen eine Geldstrafe. Anfang 2025 kam eine weitere Verurteilung wegen Steuerhinterziehung hinzu. Gegen beide Entscheidungen legte das Ehepaar Rechtsmittel ein. Beide Fälle werden nun gebündelt vor dem Landgericht Dresden verhandelt.

Dass sich der Prozess verzögert, liegt nach Darstellung der Sächsischen Zeitung an der Komplexität des Falles. Das von Jordan über Jahre aufgebaute Organisationsgeflecht aus Vereinen, Konten und Geschäftsbeziehungen aufzudröseln und zu durchleuchten, entpuppt sich als kleinteilige Arbeit. Im Kern geht es um Hotelprovisionen aus der Organisation der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaften, die nicht an den Deutschen Schachbund flossen, sondern als Spenden deklariert auf Konten der Vereine „Ran ans Brett“ und „64 Felder“ eingingen.
Von 2001 bis 2018 hat Jordan als Beauftragter des Deutschen Schachbunds die Deutschen Schach-Amateurmeisterschaften (DSAM, anfangs: Ramada-Cup) ausgerichtet. Gegenstand des laufenden Verfahrens sind nur Vorgänge ab 2014. Alles davor ist verjährt. Eine Steuerfahnderin bezifferte jetzt DSAM-Zahlungseingänge auf Jordans Konten bzw. denen seiner Vereine für die Jahre 2014 bis 2018 auf rund 199.000 Euro.
Was ist mit diesem Geld passiert?
Dirk Jordan und seine mit ihm geschäftlich auf vielfältige Weise verbundene Frau Martina geben an, es sei in den Auf- und Ausbau pädagogischer Kinder- und Jugendarbeit geflossen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sie hätten sich widerrechtlich persönlich bereichert.
Jordans Verein „64 Felder“, auf dessen Konten DSAM-Hotelprovisionen landeten, hatte Oberstaatsanwältin Karin Schreitter-Skvortsov in einer früheren Verhandlung als „Scheinkonstrukt“ bezeichnet. Dem Verein wurde für die Jahre 2014 bis 2018 rückwirkend die Gemeinnützigkeit aberkannt. Gegen diese Entscheidung läuft ein separates Verfahren vor dem Finanzgericht in Dresden. Mittlerweile gilt der Verein wieder als gemeinnützig.
„Wie waren ihre Einkommensverhältnisse, wovon haben Sie in den tatrelevanten Zeiträumen gelebt?“, wollte der Vorsitzende Richter Henrik Neumann jetzt von Jordans wissen. Deren Antwort warf ein Licht auf das von ihnen geschaffene Organisationsgeflecht, auch auf den Umstand, dass das Aufarbeiten des Falls deutlich länger dauert als geplant. Eine Stunde brauchten Jordans laut Sächsischer Zeitung, um allein diese Frage des Richters zu beantworten.
Das Gericht will herausfinden, ob sich aus den Lebensumständen des Ehepaars Hinweise auf persönliche Bereicherung ableiten lassen, oder ob diese Umstände im Einklang mit der behaupteten Zweckbindung der Gelder stehen. Um nachzuweisen, dass das Geld in Kinder- und Jugendarbeit geflossen ist, haben Jordans jetzt ihr Vermögen offengelegt. Nach dem Gerichtsbericht in der Sächsischen Zeitung hat das Vermögen der Familie 2015 bei rund 267.000 Euro gelegen, 2018 darüber.
Vor Gericht erklärte Jordan, wesentliche Teile seines Einkommens als Geschäftsführer zweier Firmen bestritten zu haben: des Spiele-Verlags „Joodix“ und der 2019 gegründeten „7th Space Saxony“, Betreiber einer Virtual-Reality-Erlebniswelt im Dresdner Elbepark.

Im deutschen Schach ist Jordan weiter aktiv, hält weiterhin seine Ansprachen, ist aber bemüht, keine leitenden Funktionen zu besetzen. Bis kurz nach der Verurteilung im April 2023 war Jordan Teil des Vorstands des von ihm mitgegründeten Vereins „Kinderschach in Deutschland“, der bis heute von ihm mitentwickelte didaktische Materialien vertreibt. Seit Anfang 2019 ist er nicht mehr Vorsitzender des reihenweise Turniere ausrichtenden Vereins „Dresdner Schachfestival“. Gleichwohl ist Anfang 2019 ein Versuch des Vereins gescheitert, sich von Jordans zu trennen, Transparenz herzustellen und sich dem DSB anzunähern. Ein Jahr nach seinem Abtritt als Vorsitzender war Dirk Jordan wieder Teil des Vorstands, seine Frau Martina Schatzmeisterin. Als infolge der DSB-Pleite 2023 Seniorenreferent Wolfgang Block die Deutsche Meisterschaft der Senioren an den Dresdner Verein vergeben hatte, stoppte sogleich der Verband diese Zusammenarbeit.
Unter dem Dach von „Ran ans Brett“ läuft unverändert der „Cup der Deutschen Einheit“, der 2019 einen bizarren Schachturnier-Krieg gegen den „Deutschland-Cup“ des Fenner-Krause-DSB gewonnen hat. Der Versuch des deutschen Verbands, Jordan mit parallelen Gegenturnieren sein Schachturnier-Geschäft kaputtzumachen, scheiterte. Den Deutschland-Cup gibt es nicht mehr. Der „Cup der Deutschen Einheit“ geht im Oktober 2026 in die 17. Auflage.
Nun würde, nach bald acht Jahren, der DSB gerne einmal gegen Jordan gewinnen, muss sich aber noch gedulden. Ein Zivilprozess, in dem der Verband seine Ansprüche auf die Hotelprovisionen geltend macht, ruht bis zum Abschluss des Strafverfahrens. Wegen fehlender Kompromissbereitschaft der Parteien hatte der Richter das Verfahren vorerst zu den Akten gelegt, um den Ausgang des Strafverfahrens abzuwarten.
Zu einem Wiedersehen aller Beteiligten könnte es kommen, bevor der Zivilprozess beginnt. Der DSB hat seinen Schachgipfel 2026 nach Dresden vergeben.
(Titelgrafik via North Data)
In den Vereinen muss es ja eine Buchführung gegeben haben. Für die Vereine wurden ja auch Steuererklärungen abgegeben. Dann müsste ja klar sein, wohin das Geld geflossen ist. Das Finanzamt hatte allerdings ganz offensichtlich nicht den Eindruck, dass die Gelder in die Jugendarbeit gegangen sind, denn ansonsten hätte es ja keine Anzeige wegen Steuerhinterziehung von den Steuerbehörden gegeben.
Ein Trauerspiel