Niclas Huschenbeth wird 2026 nicht mehr im Team von Hikaru Nakamura arbeiten und dem US-Großmeister nicht vor und während des Kandidatenturniers sekundieren. Das hat Huschenbeth jetzt im sonntäglichen Schachtalk von Michael Busse und Jonathan Carlstedt offenbart. Nakamura wolle sein wahrscheinlich letztes Kandidatenturnier mit einem neuen Team angehen.
Huschenbeth hat sich damit abgefunden. „Ein bisschen schade“ sei es, aber „ich bin jetzt auch nicht so traurig darüber, es nicht nochmal zu machen“. Die Vorbereitung auf das Kandidatenturnier 2022 in Los Angeles„ „drei Wochen quasi den ganzen Tag am Computer“, sei sehr intensiv gewesen.
2018 auf der Isle of Man hatten Huschenbeth und Nakamura einander kennengelernt und den Kontakt gehalten. Aus einer sporadischen Zusammenarbeit wurde eine intensive, als das Kandidatenturnier 2022 bevorstand. Huschenbeth war für das Weißrepertoire seines Chefs zuständig. In Madrid scheiterte Nakamura knapp daran, sich den zweiten Platz und damit ein WM-Match zu sichern. In der 14. und letzten Runde verlor Nakamura gegen Ding Liren, der damit einen halben Punkt vor ihm Rang zwei belegte und schließlich Weltmeister werden sollte.
Nach Nakamuras Absage fragte Huschenbeth sogleich bei WM-Kandidat Matthias Blübaum an, aber der hatte sein Kandidaten-Team schon zusammengestellt. Trotzdem schließt Huschenbeth eine Zusammenarbeit nicht aus. Er habe Blübaum einige Analysen zukommen lassen. Sollte sich seine Arbeit als brauchbar erweisen, stünde er bereit, Blübaum weiter zuzuarbeiten.
Gesundheit, Beziehung, Sport, Business
Seine persönlichen sportlichen Ambitionen hat Huschenbeth ein wenig zurückgefahren. „Ich hatte ja sehr lange dieses Ziel, in die Top 100 zu kommen“, erklärt er. Dieses Ziel weiter zu verfolgen, wäre zu zeitintensiv und daher „nicht besonders schlau“, sagt Huschenbeth. „Man kann nicht alles haben.“ Seine Prioritäten sind jetzt diese: „Gesundheit, Beziehung und Sport und das Business.“ Seine neue Selbstbeschreibung als Schachspieler: „Ich bin jetzt vielleicht eher ein Schachtourist.“ Huschenbeth kündigt an, exotische Turnier in Guatemala und Brasilien zu spielen – aus Freude an der Sache, weniger fokussiert auf Ergebnisse.
Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen geht Huschenbeth mit der „Total World Championship“ hart ins Gericht. Allein der Name des Wettbewerbs sei „eine absolute Katastrophe“. „Den sollten sie auf jeden Fall ändern.“ Inhaltlich kritisiert er die sportliche Logik, dass in einem Blitz- und Schnellschachwettbewerb zwei Slots fürs klassische Kandidatenturnier vergeben werden. Die Gewinner würden für andere Fähigkeiten belohnt, als sie beim Kandidatenturnier gefragt seien
„Inhaltlich kritisiert er die sportliche Logik, dass in einem Blitz- und Schnellschachwettbewerb zwei Slots fürs klassische Kandidatenturnier vergeben werden. Die Gewinner würden für andere Fähigkeiten belohnt, als sie beim Kandidatenturnier gefragt seien.“ Das ist in der Tat absurd. Wahrscheinlich hat FIDE die Kandidaten-Slots nur deshalb ausgelobt, um die Attraktivität des neuen Wettbewerbs für die klassischen Top-Spieler zu steigern. Genauso absurd ist es umgekehrt, dass 19 von 24 Plätzen im „Total World Championship“ über Leistungen im klassischen Schach vergeben werden und nur 3 bzw. 2 über die Rapid- bzw Blitz-WM: Forum | Perlen vom Bodensee Immerhin ist es durch die Kombination… Weiterlesen »
Das Turnier in Guatemala beginnt bereits übermorgen (7.1.), Huschenbeth ist hinter Aryan Tari an 2 gesetzt. Neben 11 ausländischen GMs sind unter den 155 Teilnehmern 108 Guatamalteken, darunter die nationale Nummer 3 Jungtalent Ricardo Andres Ordonez Bonilla (*2014, Elo 2134).
Es ist die dritte Auflage des Turniers nach 2019 und 2020. 2019 wurde Ilja Zaragatski geteilter Turniersieger mit dem Argentinier Sandro Mareco, 2020 landeten Zaragatski und Huschenbeth mit 6,5/9 nicht ganz vorne. Unter deutscher Flagge spielte und spielt auch ein Sven Rose (aktuell Elo 1699, er lebt offenbar in Guatemala).