Lange war unklar, ob Magnus Carlsen antreten würde. Der offene Konflikt mit dem Weltschachverband FIDE hatte ihn zeitweise so weit gebracht, seine Teilnahme an künftigen FIDE-Veranstaltungen grundsätzlich infrage zu stellen. Der Tiefpunkt kam beim Rapid-Turnier 2024, als Carlsen wegen eines Verstoßes gegen den Dresscode eine Geldstrafe erhielt, das Turnier verließ und den Streit öffentlich eskalieren ließ („Jeansgate“). Jetzt sagt er, seine Beziehung zu den lokalen Ausrichtern in Doha sei ihm wichtiger als die zur FIDE. Außerdem will er dem norwegischen TV-Publikum Schachfesttage bescheren.

Bei der Auftaktpressekonferenz in der Hauptstadt Katars erklärte Carlsen, er habe wieder Motivation gefunden, sich bei einer Weltmeisterschaft mit der Weltelite zu messen. Zugleich betont er, dass Rapid und Blitz zum Jahresende für ihn und für norwegische Schachfans eine Tradition geworden seien. Seine Entscheidung sei nicht Ergebnis neuer Absprachen mit der FIDE gewesen. Stattdessen habe der sportliche Reiz überwogen – und das persönliche Verhältnis zum lokalen Organisator in Doha, mit dem er und seine Familie gut auskommen.
Sportlich reist Carlsen als unumstrittene Nummer eins an. Er führt die Weltranglisten im Rapid und Blitz an und hat insgesamt 13 Weltmeistertitel in diesen beiden Formaten gesammelt – mehr als alle Rivalen zusammen. Auch 2025 war für ihn erfolgreich: Acht Turniersiege über alle Formate hinweg. Trotz seiner 35 Jahre sieht er keinen Grund kürzerzutreten. Er wolle sich weiter fordern. Solange er körperlich in guter Verfassung sei, bleibe er ein gefährlicher Gegner.
Alireza Firouzja traut er zu, ihm ernsthaft Probleme zu bereiten. Die in letzter Minute angebahnte Teilnahme des Franzosen wertet Carlsen als sportliche Bereicherung. Hikaru Nakamura wäre ein anderer, den Carlsen als argen Konkurrenten sähe, aber der US-Großmeister fehlt in Doha, nachdem er kürzlich Vater geworden ist. Carlsen erwartet ein offenes Rennen, in dem Tagesform und Stabilität entscheidend sein werden.
Auch persönlich blickt Carlsen auf ein einschneidendes Jahr zurück. Im Januar heiratete er, im September wurde er Vater eines Sohnes. Sportlich ragt für ihn besonders ein perfektes Ergebnis heraus: 9 Punkte aus 9 Partien beim Grenke Freestyle Open. Doha markiert nun den Abschluss seines Schachjahres.
Das neue Format empfindet Carlsen als Verbesserung. In diesem Jahr gibt es 19 Vorrundenpartien, aus denen sich vier Spieler für die K.-o.-Phase qualifizieren. Die Ausweitung der Vorrunde mache das Turnier fairer und lasse weniger Raum für Ausreden: Wer nach 19 Runden nicht unter den besten vier steht, war schlicht nicht gut genug.
Die deutsche Delegation beim Rapid und Blitz ist im Vergleich zum World Cup überschaubar: Vincent Keymer, Schnellschach-Vizeweltmeister 2022, tritt an, außerdem die Nationalspieler Rasmus Svane, Alexander Donchenko sowie IM Florian Grafl, der sich durch seinen Gewinn der Deutschen Schnellschach-Meisterschaft im Juni qualifiziert hatte.
Carlsen über das Kandidatenturnier
Keymer ist, neben Arjun Erigaisi, laut Carlsen derjenige, der am ehesten im Kandidatenturnier 2026 fehlt. Das sagte Carlsen in einem Gespräch mit chess.com, in dem er vor der Rapid- und Blitz-WM unter anderem auf den laufenden WM-Zyklus schaute. Aus seiner Sicht gehören die beiden US-Großmeister Hikaru Nakamura und Fabiano Caruana zu den Topfavoriten. Direkt dahinter sieht Carlsen den indischen Großmeister R Praggnanandhaa, den er als „dritten Favoriten“ bezeichnet. Danach, so Carlsens Einschätzung, gebe es einen deutlichen Abstand zu den übrigen Teilnehmern.
Praggnanandhaa ist der einzige Spieler aus Indien im achtköpfigen Kandidatenfeld, das den Herausforderer von Weltmeister D Gukesh ermittelt. Carlsen traut dem jungen Inder zu, ernsthaft um den Turniersieg mitzuspielen, während er anderen zwar hohe Qualität attestiert, aber weniger Siegpotenzial. Besonders Wei Yi bezeichnet Carlsen als sehr stark, äußert jedoch Zweifel, ob dieser genügend Partien gewinnen könne, um ein Kandidatenturnier zu entscheiden. Die restlichen Spieler, darunter Matthias Blübaum, sieht Carlsen eher als Außenseiter, betont aber, dass das Kandidatenturnier traditionell für Überraschungen gut sei.
Zugleich äußert Carlsen grundsätzliche Kritik am Qualifikationssystem. Er würde es begrüßen, wenn mehr „große Namen“ den Weg ins Kandidatenturnier fänden. Trotz dieser Kritik akzeptiert Carlsen die geltenden Regeln. Wer sich nicht qualifiziere, sei eben nicht dabei. Für Keymer, Erigaisi und andere bleibe nur, auf die nächste Chance zu warten. Das Kandidatenturnier 2026 beginnt am 28. März 2026 in Zypern.
Sehr geehrter Herr Schormann,
grundsätzlich finde ich Ihre Seite und die dort publizierten Beiträge sehr lesenswert und unterhaltsam.
Bezüglich der Schnellschach- und Blitz-WM möchte ich aber anmerken, dass ich an diesem Turnier nicht als „Tourist“ teilgenommen habe, sondern mir durch den Gewinn der Deutschen Schnellschachmeisterschaft im Juni das Recht erworben habe, Deutschland bei diesen beiden Turnieren zu repräsentieren.
Ich würde Sie deshalb bitten, dies noch entsprechend zu ändern, da die für mich gewählte Bezeichnung in Ihrem Text nicht nur unpassend, sondern auch ziemlich abwertend ist.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Florian Grafl
Zitat: „Stattdessen habe der sportliche Reiz überwogen – und das persönliche Verhältnis zum lokalen Organisator in Doha, mit dem er und seine Familie gut auskommen.“ Schon klar, wenn man das Geld hinter geworfen bekommt. Die „sportliche Herausforderung“, das mag dem Ex-Weltmeister auf dem absteigenden Ast glauben wer will. Er liebt das Geld, sich selbst, die Schmeichler und die Lobhudler. In ein paar Jahren wird man sehen, was sportlich von „König Carlsen“, seiner Selbstüberheblichkeit und Selbstüberschätzung noch übrig sein wird. Es könnte eventuell schneller vorbei sein als er heute für möglich hält.
Der Tiefpunkt war nicht das Jeansgate, sondern das Schieber-Finale im Blitz. So etwas habe ich noch nirgendwo sonst gesehen. Man stelle sich ein solches Fußball-WM-Finale vor…
Die Kasse stimmt, das Geld nimmt er gerne mit – alles andere ist leeres Gerede.
Der Artikel liest sich, wie viele andere mittlerweile, in einem leblosen Stil, der deutlich hinter dem zurücksteht, was man an Qualität von dieser Seite schon einmal rezipiert hat. KI oder nur Einbildung?