Ein E-Brett im Bauhaus-Stil: Großmeister Daniel King und die klaren Linien

Endlich drahtlos – hinsichtlich des Komforts ist dies wahrscheinlich der größte Schritt, den das neue Millennium-Turnierbrett Supreme T2 repräsentiert. Dank Akku und Bluetooth gilt: hinstellen, einschalten, losspielen, sei es eine Online-Partie oder ein Match gegen den Computer. Es muss nichts mehr eingesteckt oder verkabelt werden.

Ein drahtloses Schmuckstück, das „Supreme T2“ in der Daniel-King-Edition.

Zur technischen Entwicklung kommt eine ästhetische. Großmeister Daniel King hat beim Supreme T2 – Daniel King Limited Edition in die Gestaltung eingegriffen. Als Freund der Bauhaus-Bewegung wählte King reduzierte Figuren mit klaren Linien, ohne Schnörkel, ohne Effekte. Die auf 200 Sets begrenzte King-Edition ist ein praxistauglicher Hingucker, der auch als Gestaltungselement in den eigenen vier Wänden dienen kann, wenn das Brett gerade nicht für Schach gebraucht wird.

Im Interview erzählt Daniel King über seine Liebe zum Bauhaus, seine Verbindung zu Deutschland und zur deutschen Sprache – und einiges mehr:

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Daniel, wir führen dieses Gespräch auf Deutsch. Wie kommt es, dass Du so gut Deutsch sprichst? Gibt es eine besondere Verbindung nach Deutschland?

Mitte der 1980er habe ich für den SC Kreuzberg in der Schachbundesliga gespielt. Ich war Anfang 20, West-Berlin – ein großes Abenteuer! Die besondere Stimmung in dieser besonderen Stadt, die Kontrollen der DDR-Grenzbeamten, das war schon eindrucksvoll. Mein Reisepass war übrigens voll mit DDR-Transitvisa. In London-Heathrow kam das den Beamten verdächtig vor. Die fragten mich regelmäßig, was ich eigentlich ständig in der DDR mache.

„Ein großes Abenteuer“: Daniel King (4. von links) mit der Bundesligamannschaft des SC Kreuzberg 1986. | Foto: privat

Du wirst nicht nur bei Deinen Fahrten nach West-Berlin Deutsch gelernt haben.

Sprachen zu lernen und zu sprechen, interessiert mich generell. Ein bisschen Deutsch hatte ich in der Schule gelernt, aber nicht viel. Ich bin sogar aus dem Deutschunterricht geflogen, weil ich nie Hausaufgaben gemacht habe. Später dachte ich mir, ich will das jetzt richtig lernen. Schach war der Einstieg. Und so schwierig, wie es oft gemacht wird, ist Deutsch ja nicht. Eine germanische Sprache wie das Englische. Chinesisch wäre schwieriger gewesen.

Jetzt bist Du Botschafter eines deutschen Unternehmens. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Millennium?

Wahrscheinlich hat mein YouTube-Kanal mit vielen deutschen Zuschauern damit zu tun. Der Kontakt ist schon im vergangenen Jahr entstanden. Jetzt fragte Millennium, ob ich Markenbotschafter sein möchte – mit eigenen Schachfiguren! Ich war begeistert. Die Firma ist toll, die Produkte qualitativ sehr gut, die Technik hervorragend. Das war eine Ehre für mich.

Daniel King mit den Millennium-Geschäftsführern Thomas Karkosch (links) und Max Hegener. | Foto: Millennium

Die Figuren der King-Edition des Supreme-Turnierbretts spiegeln Dein Faible fürs Bauhaus-Design.

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Genau. Ich liebe Bauhaus-Architektur, -Design, -Kunst. Aus dem Bauhaus-Museum in Berlin kannte ich diese ikonischen Figuren im Bauhaus-Stil. Daran haben wir uns orientiert. Das Set erinnert stilistisch daran: klare Linien, reduziert, elegant. Als wir in München jetzt ein Fotoshooting gemacht haben, hatte ich die Figuren zum ersten Mal in der Hand. Ich bin sehr stolz auf das Daniel-King-Set. Es ist schlicht und wunderschön.

Unendlich viele davon gibt es nicht…

Limitiert auf 200 Exemplare. Jedes kommt mit einer Autogrammkarte.

Als unlängst bei „Bares für Rares“ ein Bauhaus-Schachset auftauchte, offenbarte sich, wie wertvoll das ist.

Auf Deinem YouTube-Kanal hast Du zuletzt das Rennen um die Plätze im Kandidatenturnier intensiv begleitet. Lass uns mit dem Grand Swiss anfangen. Haben die Richtigen gewonnen?

Anish Giri war sehr solide. 8 aus 11, das ist stark. Wir kennen ihn ja eigentlich als jemanden, der zu oft einen halben Punkt abgibt, um ganz nach vorne zu kommen. Diesmal war ich beeindruckt, wie er seine Chancen genutzt hat.

Daniel King über das World-Cup-Match zwischen Alexander Donchenko und Matthias Blübaum.

Und Matthias Blübaum?

Für viele eine Überraschung, aber warum eigentlich? Wer zweimal Europameister wird, ist zweifellos ein sehr starker Spieler und kann auch so ein Turnier gewinnen. Matthias hat sich den Platz verdient.

Er hat auch davon profitiert, dass Topleute zu sehr gegen ihn gepusht haben. Könnte das im Kandidatenturnier wieder zu seinem Vorteil werden?

Durchaus. Manche werden ihn als schwächsten Teilnehmer sehen und Risiken eingehen. Und das kann sich rächen. Natürlich geht Matthias Blübaum nicht als Favorit ins Kandidatenturnier, aber ich sehe ihn als legitimen Teilnehmer und wünsche ihm alles Gute. Alle anderen wären gut beraten, ihn nicht zu unterschätzen.

Was sagst Du zum World Cup in Goa?

Für mich war Sindarov die Entdeckung: erst 19, aber so stabil, so nervenstark. Seine Partie gegen Gukesh, wunderschön. Auch im Endspiel gegen Yakubboev sehr stark. Dazu die Stabilität. So ein Turnier ist sehr lang, aber er ist ruhig geblieben, hat nie nachgelassen und seine Chancen genutzt, wenn sie kamen.

„Für mich war Sindarov die Entdeckung“: Daniel King über das Finale zwischen dem Usbeken und dem Chinesen Wei Yi.

Was tut sich im englischen Schach?

Die Nationalmannschaft kommt langsam in die Jahre: Michael Adams ist jetzt ein Senior, Luke McShane hat die 40 überschritten. David Howell spielt kaum noch. Aber es gibt Talente: Shreyas Royal, Bodhana Sivanandan. Vor allem Bodhana ist herausragend. Außerdem gibt es wieder mehr Geld im Schach, auch von der Regierung. Und ich muss die Stiftung „Chess in Schools and Communities“ erwähnen sowie Malcolm Pein als die treibende Kraft dahinter. Sie leisten enorm viel, um Schach zu verbreiten.

Ein Förderfonds fürs britische Schach.

Also kontinuierliche Aufbauarbeit unter einer alternden Nationalmannschaft.

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Genau. Und viele Großmeister aus den älteren Generationen geben den Jungen Unterricht. Ein wichtiger Aspekt ist, dass wir mehrere Talente haben, sodass sie einander Konkurrenz machen. Auf diese Weise entsteht ganz natürlich ein Antrieb, mehr zu erreichen.

Bist Du Teil der Garde von Großmeistern, die den Nachwuchs unterrichten?

Bedingt. Ich trainiere zwar ein paar Jugendliche, aber vor allem Erwachsene.

Daniel King 1987 bei einem Turnier in Kirgisien (heute: Kirgisistan), damals UdSSR. | Foto: Archiv Daniel King

Steht Bodhana über allen anderen, oder wirkt das nur so, weil sie öfter im Gespräch ist als andere?

Bodhana ist fantastisch stark. Sie arbeitet hart. Und genau das macht Talent aus, wie Kasparow immer gesagt hat. Dazu: Selbstvertrauen und Fokus, Charakter und Disziplin, keine Zweifel an den eigenen Fähigkeiten. Sie hat alles, was herausragende Spieler auszeichnet. Außerdem hat sie gute Konkurrenz: Ethan Pang und Supratit Banerjee zum Beispiel. 

Über Bodhana Sivanandan, Ethan Pang und andere Hoffnungsträger des englischen Schachs.

Wie siehst Du das deutsche Schach aus der Ferne?

Das sieht gut aus. Viele starke Mittzwanziger und darüber Vincent Keymer. Aber es gibt für aufstrebende Spielerinnen und Spieler in Deutschland ein Problem auf ihrem Weg: Mit 18 stellt sich die Frage: Studium oder Schach? An dieser Stelle des Lebenswegs richtig abzubiegen, ist schwierig.

Vincent Keymer sagt sogar, er habe schon als Schüler einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Supertalenten aus anderen Ländern gehabt.

Ja, Schach wird immer jünger. Vincent hat Abitur gemacht, während zum Beispiel die Inder aus seinem Jahrgang längst Profis waren. Und es gibt in Indien mehr Unterstützung, privat und öffentlich. Für die Spielerinnen und Spieler von dort ist das ein Vorteil.

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