Nun ist auch diese Reise zu Ende. Kurz vor dem ganz großen Ziel, schade. Respekt und Glückwunsch für eine Riesenleistung, die niemand auf dem Zettel hatte.

Nach der gestrigen Katastrophe (siehe Video unten) hat Alexander Donchenko heute im Viertelfinale des World Cups nach Kräften versucht, zurück ins Match zu kommen. Gegen Nodirbek Yakubboev musste er gewinnen, um einen Tiebreak zu erzwingen. Strategisch-positionell ging er die Herausforderung an, Damengambit, Abtauschvariante, das oft gespielte System mit 6…Lf5 7.Df3, in dem Weiß um den Preis des Läuferpaars der schwarzen Armee einen isolierten Doppelbauern andreht.
Dieser strukturelle Defekt ist zwar nicht viel, aber gibt die Gewissheit, lange darauf herumkneten zu können. Und Alex knetete. Schließlich erkämpfte er sich sogar ein Turmendspiel mit einem Mehrbauern, aber der war nur nomineller Natur, praktisch nichts wert.
Nach 57 Zügen sandte Alex eine Friedensofferte über den Tisch, die Yakubboev (Glückwunsch!) natürlich gerne annahm. Damit ist der Last Man Standing aus der deutschen Delegation im Viertelfinale ausgeschieden. Und damit steht fest (wenn nicht ein Wunder geschieht), dass Matthias Blübaum ab dem 28. März auf Zypern der einzige Deutsche unter den acht Teilnehmern des Kandidatenturniers sein wird.
Alexander Donchenkos Leistung war die herausragende, aber bei weitem nicht die einzige starke Leistung der schwarz-rot-goldenen Delegation. Sogar die Gastgeber von der Schach-Großmacht Indien haben ganz schön gestaunt über den kollektiven Durchmarsch der Jungs aus dem Spitzenschach-Entwicklungsland Jarmānī.
Was unsere Großmeister beim World Cup abgeliefert haben, macht Lust und Hoffnung auf mehr. Nicht nur den Fans, wahrscheinlich auch den Spielern selbst. Vincent Keymer hat ja schon angedeutet, dass er mit diesem Team der Hochbegabten gerne einmal die Schacholympiade rocken würde.
Die Perlen werden das deutsche Abschneiden beim World Cup in den kommenden Tagen noch ausführlich würdigen. Die Arbeitsüberschrift steht schon fest:
„Entdecke die Möglichkeiten“.
Dennoch: Chapeau!
Glückliche Zeiten, wenn man solche Spieler in der Nationalmannschaft nicht mal auf die Ersatzbank beruft …
Die Nationalmannschaft wird ja konsequent nach Elo aufgestellt, da die ja der objektive Gradmesser der Spielstärke ist.