World Cup 2025: Kein Spaziergang für Rasmus Svane, stattdessen ein Marathon

Das Bild vom World Cup 2021 hat sich ins Gedächtnis vieler Schachfans eingebrannt. Rasmus Svane sitzt reglos am Brett, der Blick leer, der Kopf in die linke Hand gestützt. So sieht tiefe Enttäuschung aus. Auf der anderen Seite steht Ivan Cheparinov auf, noch zu mitgenommen, um in Jubel auszubrechen.

Gerade hat Cheparinov das Armageddon gewonnen, die neunte und entscheidende Partie des Tages. Es war der 17. Juli 2021, Runde zwei des World Cups in Sotschi. Nach acht ausgeglichenen Partien hatte diese neunte das Match entscheiden müssen. Svane mit Weiß musste gewinnen. Er stellte Cheparinov in der Eröffnung vor Probleme, doch als die Sekunden auf der Uhr zerronnen, kippte es. Ein übersehener taktischer Schlag – aus. Schach kann brutal und grausam sein. Rasmus Svane bekam es an diesem Tag zu spüren.

Zwei Jahre später, 2023 in Baku, wiederholte sich das Muster, wieder Armageddon. Gegen Wang Hao hielt Svane über vier Stunden stand, war während der Remisserie im Tiebreak eher am Drücker als der WM-Kandidat, bevor ihn ein technisches Endspiel im Sudden Death das Weiterkommen kostete. Wieder fiel erst nach neun Partien die Entscheidung – wieder war er nach einem Kampf über die maximale Distanz ausgeschieden, nach der vierten Runde diesmal.

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Jetzt ist es vollbracht. In der zweiten Runde des World Cups 2025 ist Rasmus Svane denselben maximal langen Weg gegangen wie 2021 und 2023, wieder bis zum Sudden Death, aber diesmal mit einer anderen Wendung am Schluss. Der Screenshot von heute täuscht, Rasmus‘ vors Gesicht geschlagene Hände symbolisieren keine Enttäuschung, vielmehr Erleichterung. Es ist vollbracht, die Nerven haben gehalten, die neunte Partie gegen Rauf Mamedov hat er gewonnen.

Glückwunsch, Rasmus, way to go!

„Muss jetzt erstmal runterkommen“: Rasmus Svane nach dem Tiebreak-Krimi.

Leider ausgeschieden ist Dmitrij Kollars, der heute im Tiebreak dem starken Inder Pranesh unterlag. Damit kommt es nicht zum ersten deutsch-deutschen Duell in diesem World Cup.

Rasmus Svane trifft in der dritten Runde auf Awonder Liang (USA). Sein Bruder Frederik Svane bekommt es mit Weltmeister Gukesh zu tun. Matthias Blübaum trifft auf den Wunderknaben Ivan Zemlyanskii (15), der mit 13 der jüngste Großmeister Russlands jemals wurde. Alexander Donchenko darf sich mit dem Weltranglistensechsten Anish Giri messen, Georg Meier mit Schnellschachfachmann Daniil Dubov. Vincent Keymer bekommt es mit Kollars-Bezwinger Pranesh zu tun.

Hans Niemann ist raus. | Foto: Michal Walusza/FIDE

Für Aufsehen sorgte am Donnerstag das Ausscheiden von Hans Moke Niemann, der gegen den Italiener Lorenzo Lodici im Rapid unterlag. Nach zwei Remis in den klassischen Partien verlor der Amerikaner die erste Schnellpartie in einem zähen Endspiel – ein Fehler reichte, um die Stellung kippen zu lassen. Lodici nutzte die Gelegenheit mit beeindruckender Ruhe und steht erstmals in Runde 3. Auch das Abenteuer des zwölfjährigen Argentiniers Faustino Oro ist beendet: Gegen Vidit Gujrathi konnte das Nachwuchstalent zunächst mithalten, verlor dann aber im zweiten Rapid-Spiel die Kontrolle über die Uhr. Vidit zeigte sich danach erleichtert und lobte seinen jungen Gegner als „sehr stark und furchtlos“.

Gegen Weltklassemann Vidit wehrte sich Faustino Oro bis in den Tiebreak. In kommenden Jahren wird er beim World Cup gewiss weiter kommen als bis in die zweite Runde.

Neben ihnen setzten sich Nodirbek Abdusattorov, Shakhriyar Mamedyarov, Daniil Dubov und Michael Adams durch, während mehrere Matches erst im Blitz entschieden wurden. S. Narayanan eliminierte Nikita Vitiugov nach sechs Remis in Serie, und Praggnanandhaa drehte sein Match gegen Temur Kuybokarov im Blitz nach langem Rückstand. Insgesamt gingen sieben Begegnungen bis ins Blitz – ein Vorgeschmack auf den Nervenkampf, der die kommenden Runden prägen dürfte.

(Fotos via FIDE, Titelfoto: Michal Walusza/FIDE)

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Tara
Tara
1 Monat zuvor

Die sehr faire und freundliche Reaktion und Gratulation von Mamedov nach dem Drama wäre schon eine Erwähnung wert. Das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Gratulation an Svane! Respekt vor dem Sportsmann Mamedov!

Metamorph
Metamorph
1 Monat zuvor

7 Partien gingen bis in blitzen, aber nur 2 gingen in die zweite (kürzere) Blitzrunde