DSB-Hauptausschuss: nicht ohne meinen Anwalt

Nachtrag, 4. Oktober: Es wird zu einem außerordentlichen Bundeskongress kommen, wo nach dem Willen von fünf Landesverbänden das Präsidium abgewählt und ein neues gewählt werden soll. Außerdem hat der Hauptausschuss eine Fristenregelung für Transfrauen beschlossen -> mehr dazu

Beim Hauptausschuss des Deutschen Schachbundes am Samstag in Hofgeismar stehen zwei kontroverse Themen im Mittelpunkt: die fristlose Kündigung der Geschäftsführerin sowie die Situation in der Geschäftsstelle und der Umgang mit Transfrauen im Schach.

Der Berliner Verbandspräsident Paul Meyer-Dunker hat einen Antrag zur Zukunft der Geschäftsstelle gestellt, nachdem bekannt wurde, dass Anja Gering nach 19 Jahren beim DSB als Geschäftsführerin „nicht mehr zur Verfügung steht“. Diese Formel, die offenbar suggerieren sollte, Gering wolle nicht mehr, verwendete DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach, um ihre Funktionär:innen zu „informieren“. Tatsächlich ist Gering nach Informationen dieser Seite jetzt fristlos gekündigt worden, nachdem Lauterbach vor einigen Wochen eine erste Kündigung zurückgenommen hatte.

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Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DSB waren es, die gegen den Widerstand des Präsidiums und weiterer Funktionäre unseren Verband und sich vom System Krause/Fenner befreit haben. Sie kamen unmittelbar vom Regen in die Traufe. Das Lauterbach-Präsidium stand vor der Herausforderung, Dankbarkeit zu zeigen und ein Klima des Vertrauens aufzubauen, aus dem nach Jahren unter einer kaputten Führung ein motiviertes, funktionierendes Team erwachsen kann. Daran ist das neue Präsidium vollständig gescheitert. Arne Jachmann und Paul Meyer-Dunker kündigten bald, nachdem es im Amt war.

Speziell die neue Geschäftsführerin Anja Gering sah sich bald im Zentrum einer Kampagne, die zuletzt Züge einer Vendetta annahm. Befeuert von öffentlichen Klagen des Präsidiums über ihre Mitarbeiter:innen, kommen nun zunehmend untere und mittlere Chargen aus der Schachverwaltungshierarchie aus ihren Löchern, um – nein, nicht um anzumahnen, dass man so nicht mit Menschen umgeht.

Stattdessen beschweren sie sich über eine vermeintlich nicht funktionierende Geschäftsstelle. Diese Diagnose ist nicht ganz falsch. Entstanden ist diese Dysfunktionalität nicht, weil die Mitarbeiter:innen ihren Job nicht beherrschen würden oder unwillig wären, ihn auszuüben. Von einem „Klima der Angst“ in der Geschäftsstelle schreibt Meyer-Dunker in seinem Antrag. Die drei Vizepräsidenten knüpfen derweil an die Tradition untätigen Mitlaufens an, wie sie zum Schaden unseres Sports und unseres Verbands das gute Dutzend Vizepräsidenten unter Marcus Fenner und Ullrich Krause bis zum bitteren Ende vorgelebt hat.

Ohne „schwerwiegenden Grund“ keine fristlose Kündigung. Auch im Fall Gering steht nun ein solcher angeblicher Grund im Raum. Ob der konstruiert ist, um nach mindestens einem gescheiterten Versuch endlich eine unliebsame Mitarbeiterin loswerden zu können, oder ob der vermeintliche Grund Substanz hat, wird bei einem arbeitsrechtlichen Verfahren geklärt. Nachdem die Verantwortlichen des DSB in der jüngeren Vergangenheit auf diversen Feldern eine mittlerweile siebenstellige Summe Beitragsgeld versenkt haben, bezahlen wir nun für Anwälte, die das Präsidium für das Verfahren gegen ihre einstige Mitarbeiterin engagiert hat.

Beim Hauptausschuss soll der Betriebsrat Kevin Högy aus dem Innersten des deutschen Schachbetriebs und den Vorgängen dort berichten. Auch Högy wird mit einem Rechtsanwalt an seiner Seite auftreten.

Gerings Arbeit auf der Geschäftsstelle bleibt derweil liegen bzw. wird vom Präsidium erledigt. Die von Elisabeth Pähtz unlängst auf der Chessbase-Seite erhobenen Vorwürfe und aufgezeigten Versäumnisse legen nahe, dass das Präsidium mit der Geschäftsführerinnenarbeit überfordert ist. Ausgeschrieben ist die Stelle bislang nicht.

Zweiter großer Punkt ist die geplante Diskussion über Transfrauen im Spielbetrieb. Um eine sachliche Debatte zu ermöglichen, wurde die Juristin und ehemalige Spitzenathletin Sylvia Schenk eingeladen, die als Expertin für Zulassungsregeln im Leistungssport gilt.

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Im Sinne des Restansehens unseres Verbands und seiner Handelnden ist die Sitzung ist nicht öffentlich.

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Tara
Tara
3 Monate zuvor

Wer das Thema „Transfrauen“ zum „dringendsten“ Thema erklärt, während die Bude an allen Ecken und Enden lichterloh brennt, es überall stinkt und qualmt, der muss nicht lange raten, welche Stunde es geschlagen hat.

Jeder, der diesen Verband weiter mitfinanziert, macht sich mitschuldig an dem, was da getrieben wird. Ich persönlich bin froh, diesem Verband den Rücken gekehrt zu haben. Dieser Verband schadet dem Schachport und jedem Verein mehr als er dienlich, nützlich und hilfreich ist.

Herr Becker
Herr Becker
3 Monate zuvor

Von Fenner & Krause zu Ingrid L.:

Erinnert frappierend an diese „Stromberg“-Folge, in der Stromberg endlich abgesetzt und stattdessen Ernie Abteilungsleiter wird…

Peter
Peter
3 Monate zuvor

Frau Dr. Gehring war nicht 19 Jahre als Geschäftsführein beschäftigt.Im Amt als GF habe ich sie kaum wahrgenommen.

Walter Rädler
Walter Rädler
3 Monate zuvor
Kommentator
Kommentator
3 Monate zuvor

Zum Nachtrag: Die Formulierung „Transfrauen erhalten ab dem Zeitpunkt der Eintragung ins Personenstandsregister sofort das Spielrecht im allgemeinen Spielbetrieb“ geht aus der angegebenen Quelle nicht hervor und ergibt auch keinen Sinn – für den allgemeinen Spielbetrieb ist doch ohnehin jede Spielerin und jeder Spieler spielberechtigt.. (Ist damit gemeint, dass Transmänner die Startberechtigung für Frauenwettbewerbe nicht erst zur Folgesaison verlieren, sondern unmittelbar mit der Eintragung im Personenstandregister? Das scheint mir zumindest die plausibelste Erklärung – aus der Quelle entnehme ich allerdings nicht Derartiges, und es wäre auch eine Ungleichbehandlung, die gut begründet sein müsste, um im Fall der Fälle gerichtlicher Überprüfung standhalten zu… Weiterlesen »

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