Ein Rotauge, im Maul eine Quagga-Muschel. Der kleine Fisch knackt sie, als wäre er dafür gemacht. Kaum ein anderes Lebewesen im Bodensee kann der invasiven Muschel zu Leibe rücken.
Die eingeschleppte Quagga breitet sich rasant aus. Sie verstopft Leitungen, verdrängt heimische Arten und saugt dem See die Nährstoffe aus dem Wasser. Das macht es schön klar – aber auch schön leer. Muschelknacker Rotauge stellt so etwas wie die letzte Hoffnung gegen die gepanzerte Plage dar.

Der Hoffnungsträger hat selbst Fressfeinde. Erstens: den Kormoran. Der darf nicht gejagt werden, liebt aber Rotauge mit Haut und Schuppen. Zweitens: den Feinschmecker. Der haut die Rotaugen in die Pfanne. Jedes Jahr feiert die Gastronomie rund um den See Rotaugen-Wochen – Matjes, Filet, frittiert. Hauptsache aus dem Wasser auf den Teller.
Unsere Gastronomen wollen schließlich den darbenden Fischern über die Runden helfen. Bodensee-Fischer sind auf das Rotauge angewiesen – notgedrungen. Früher zogen sie Felchen aus dem See, heute ist das Rotauge oft das einzige, was noch ins Netz geht. Ohne diesen Fang ist kein Auskommen mehr. Aber jedes Rotauge weniger freut die Quagga.
Bleibt die Politik. Der Vorsitzende der Internationalen Bodensee-Konferenz will jetzt herausfinden lassen, wie man „die Fische stärken“ kann.
Tja. Wie wäre es, sie nicht zu essen? Es gäbe ja die naheliegende Alternative, unsere Fischer und Feinschmecker auf die Muscheln anzusetzen. Feiern wir doch künftig kulinarische Quagga-Wochen statt Rotaugen-Wochen! Nur leider: Die Muschel schmeckt furchtbar. Ein Leben lang filtert sie Dreck, ungenießbar. Und potenziell ungesund.

Jetzt soll bis 2028 ein Konzept entstehen, wie sich das Muschel–Rotaugen–Fischer–Kormoran-Dilemma auflösen lässt.
Die Quagga filtert derweil weiter.