Honig im WLAN und ein ertappter Bademeister: die Jugend-Team-EM aus Mutterperspektive

Früher Morgen in Terme Čatež. Der Chlorgeruch hängt schwer in der Luft. Der Bademeister oben auf dem Rutschenturm filmt sich selbst in einem Gummiboot – und wirkt überrascht, dass unter ihm schon Leute schwimmen wollen.

Einfach mal planschen ist in diesem größten Wasserpark Europas nicht so leicht: Der große Indoor-Pool kostet extra, der kleine im Nebenhotel beißt sich mit der Turnierlogistik. Die Bäderlandschaft öffnet zuverlässig genau dann, wenn die Mitglieder des Schachtross‘ keine Zeit haben: „Willkommen im größten Wasserpark Europas, aus dem wir nur das Chlor riechen, aber wohl nicht hineinkommen.“ 

An Pools mangelt es in Terme Catez nicht. | Foto via ECU

Yvonne Malinowsky berichtet auf der Website des Lübecker Schachvereins von dieser Welt zwischen Schachbrettern, Hürden und kleinen Fluchten, die sie als Spielerinnenmutter erlebt, während bei der der Europameisterschaft (4.–11. Juli 2025) ihr Sohn Levi Malinowsky mit Johannes von Mettenheim, Philipp Leon Klaska und Daniel Nuñez Grégoire die deutsche U18 vertritt.

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Die Schachwoche verpackt sie nicht in Zahlen und Tabellen, sondern in Szenen und Stimmungen. Der hektische Umstieg in Frankfurt, bei dem Laufbänder zum olympischen Sprinttraining werden. Abende, an denen Sloweniens Wasserrutschen hinter Zäunen in der Dämmerung glitzern, während die Köpfe noch in Varianten stecken. Und ein WLAN, das so zäh ist wie der Honig, für den das Land berühmt ist – und genau dann besonders klebrig, wenn man dringend die Auslosung sehen möchte.

Levi Malinowsky als Teil der deutschen U18 in Slowenien. | Foto: Luka Rifelj/ECU

Neben dem Schach selbst – Levi holt Punkte, mal mit Schwarz, mal mit Weiß, mal gegen „2400er“, mal gegen schwächere Gegner – sind es die Randbeobachtungen, die die Erzählung tragen. Der Bademeister mit dem Selfie. Der Telekom-Shop im ehrwürdigen Wasserturm von Brežice, der zwar in die Höhe ragt, aber das Turniergelände trotzdem nicht mit Netz versorgt. „Vielleicht sendet der Turm lieber Atmosphäre als Daten“, mutmaßt Malinowsky. Die Kirmes vor dem Hotel, deren Lichter und Lautstärke jede Nachtvorbereitung sprengen, und die ironische Nachtruhe-Hausordnung, die offenbar eher als freundlicher Vorschlag gemeint ist.

Und natürlich die Wanderung zur kleinen Kirche am Horizont, die sich schließlich als unerreichbar entpuppt. Malinowsky vergleicht ihre gescheiterte Kirchenbesichtigung mit dem, was ihr Sohn und dessen Mitspieler am Brett erleben: „Man glaubt, man sei am Ziel, und plötzlich merkt man, man hat sich verrechnet. Dafür hat man nun monatelang trainiert, Pläne geschmiedet, Varianten gebüffelt, hier vor Ort drei Stunden vorbereitet, nur für diese eine Partie, um dann trotz allem nach 4 Stunden zu verlieren.“ Willkommen beim Schach.

Über die EM von Lilian Schirmbeck, Teil der deutschen U12, war unlängst auf der Website des SK Halle einiges zu lesen. | Foto: Luka Rifelj/ECU

Am Ende bleibt der Eindruck einer Woche, die mehr war als ein Turnier: eine Mischung aus Geduld, Vorbereitung, knappen Internetleitungen und Momenten, die auch ohne Pokal hängenbleiben. Malinowsky schließt mit einem Gedanken, der den Ton des Ganzen trifft: Man brauche keine Wasserrutsche, um sich fallen zu lassen – ein einziger falscher Zug genüge. Und so liest sich dieser Reisebericht wie ein warmherziger, augenzwinkernder Blick auf den Mikrokosmos einer Jugend-EM:

Ein Erlebnisbericht zwischen Türmen, Mattbildern und mühsam erkämpften Badegelegenheiten.

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Michael
Michael
4 Monate zuvor

Danke!
Sehr schöner Bericht!