Bundestrainer Jan Gustafsson und die “brutale Entscheidung”: Frederik Svane ist im Team, Rasmus Svane nicht

Frederik Svane wird bei der Schacholympiade Teil der deutschen Nationalmannschaft sein, Rasmus Svane nicht. Das gab am Montagabend Bundestrainer Jan Gustafsson bekannt. Auf seinem Twitch-Kanal verkündete Gustafsson seine Entscheidung, die zu treffen ihm keine Freude bereitet hatte.

Gut drei Monate noch, dann wird Frederik Svane erstmals als Nationalspieler für Deutschland bei einer Schacholympiade antreten. Gerade hat er sich unter anderem mit Co-Nationalspieler Dmitrij Kollars beim Schachfestival München den ersten Platz geteilt. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Wer das deutsche Quintett beim zweijährlichen Kräftemessen der Schachnationen bildet, steht damit fest: Vincent Keymer, Dmitrij Kollars, Matthias Blübaum, Alexander Donchenko, Frederik Svane. Für Donchenko (26) und Svane (20) wird es die erste Schacholympiade sein. Gustafsson würde gerne Rasmus Svane als Coach und Eröffnungshelfer mitnehmen, so wie er zur Europameisterschaft 2023 Frederik Svane mitgenommen hatte. Ob das machbar ist, ist offen. “Die Finanzen…”, deutete Gustafsson an.

Keine dauerhafte Entscheidung, sondern eine Momentaufnahme: Rasmus Svane wird in Budapest nicht für Deutschland spielen. | Foto: Christian Hoffmann/SC Viernheim

“Es ist mir wahnsinnig schwergefallen”, erklärte Gustafsson angesichts des Zwangs, von zwei etwa gleichwertigen Spielern einen aussortieren zu müssen – “eine Dreckssituation, eine eklige Entscheidung”. Richtig oder falsch habe es unter diesen Umständen nicht gegeben. Letztlich habe er sich für den Jüngeren entschieden, der sich die Nominierung aufgrund starker Leistungen und eines etwas besseren Ratings als sein Bruder verdient habe. “Wenn man nur auf die verdienten Spieler setzt, nicht auf die jungen, wie sollen die Jungen dann Verdiente werden?”

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Bevor er seine Entscheidung öffentlich verkündete, hatte Gustafsson Rasmus Svane informiert. “Ich bin Fan von Rasmus”, machte er deutlich. Der ältere Svane-Bruder habe einen Riesenanteil an EM-Silber 2023, zu dem er unbezwungen am zweiten Brett wichtige Punkte beisteuerte. Gustafsson nimmt sich jetzt sehenden Auges die “taktische Option”, eine für die Gegner kaum bezwingbare Wand ins Team einzubauen, indem er den solidesten Spieler aus den ersten Sechs der deutschen Rangliste nicht mitnimmt.

Die taktische Option, das zweite Brett zuverlässig abzuriegeln, hat die Nationalmannschaft in Budapest 2024 nicht. Stattdessen hat sie fünf Spieler, die jeden besiegen können – auch am zweiten Brett.

Gustafsson pries nicht nur die schachlichen Qualitäten von Rasmus Svane, den er seit Jugendjahren kennt und schätzt. Als Aktivensprecher, der sich im Verband für die Belange der Kolleginnen und Kollegen einsetzt, sei Rasmus engagierter als andere. Auch intern sei der ältere Svane-Bruder derjenige, der organisiert, wenn etwas zu organisieren ist. Dazu die menschlichen Qualitäten der Integrationsfigur aus Lübeck. Unter dem Eindruck der “brutalen Entscheidung” für den einen und gegen den anderen Svane könne er sich noch gar nicht auf die Schacholympiade freuen, sagte Gustafsson.

Die Vize-Europameister 2023.

Das System, vier Spieler anhand ihrer Elo zu einem fixen Zeitpunkt zu nominieren, hält Gustafsson für falsch. Einen Stichtag für die Eloabrechnung sieht Gustafsson als Anreiz, eine hohe Elozahl zu konservieren und das Spielen einzustellen. Als Bundestrainer wolle er aber möglichst viel Wettkampfpraxis für seine Nationalspieler. Daher fände er es besser, die Mannschaft anhand der Durchschnittsleistung über einen längeren Zeitraum zu nominieren. Gustafsson ließ offen, warum er diese Kritik jetzt anbringt, nach der Nominierung, anstatt lange vorher darauf hinzuweisen, etwa nach der Europameisterschaft 2023.

Ein Ziel für die Schacholympiade festzulegen, sei schwierig. Auch in Budapest wird gelten, dass viel vom Ergebnis in der letzten Runde abhängt, in der häufig ein Sieg aufs Treppchen führen mag, während eine Niederlage den Fall aus den Top 10 bedeuten könnte. “Wir können oben mitspielen”, sagt Gustafsson mit Blick auf eine deutsche Nationalmannschaft, die jünger und perspektivreicher ist denn je.

Jan Gustafsson im Interview nach der Europmeisterschaft 2023.

Hinsichtlich Fördergeld vom Bund sei eine Top-8-Platzierung wichtig, sagt Gustafsson. Hintergrund ist der Umstand, dass die Schacholympiade als die eigentliche Mannschaftsweltmeisterschaft für den DSB als “Zielwettbewerb” gilt. Wer bei seinem Zielwettbewerb Leistung bringt, kann nach Lesart des DOSB und des für Spitzensportförderung zuständigen Innenministeriums die nächste Förderstufe (“Cluster”) erklimmen. Ein achter Platz der Männer oder der Frauen würde wahrscheinlich dazu führen, dass Schach vom dritten ins zweite Cluster aufsteigt, erklärt DSB-Sportdirektor Kevin Högy auf Anfrage.

Wer in Budapest die Frauennationalmannschaft bildet, steht noch nicht fest. Anders als bei den Männern nominiert Bundestrainer Yuri Yakovich das komplette Team. Abseits seiner beiden Spitzenspielerinnen Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner steht Yakovich vor einer ähnlich knappen Entscheidung wie Gustafsson. Alle Kandidatinnen zeigen Kontinuität vor allem hinsichtlich ihrer Eloschwankungen, und keiner gelingt es, sich in der deutschen Rangliste über den nicht mehr im Kader befindlichen Routiniers zu etablieren.

Um die drei Plätze hinter Pähtz und Wagner streiten Josefine Heinemann, Jana Schneider, Lara Schulze, Hanna Marie Klek und Kateryna Dolzhykova. Die in Frankfurt lebende Ukrainerin ist nach ihrer Flucht aus der Ukraine in diesem Jahr erstmals Teil des deutschen Kaders.

Ihren ersten deutschen Meistertitel hat Kateryna Dolzhykova schon. Jetzt könnte sie als eine von fünf Kandidatinnen für drei Plätze Nationalspielerin werden.
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Gerd Euler
Gerd Euler
9 Tage zuvor

Egal, lustiger Spaß. Alex soll mal ein paar erfolgreiche Partien spielen und entweder wir meckern und klugscheißen oder wir haben es immer schon gewußt.

Gerd Euler
Gerd Euler
9 Tage zuvor

Wenn Ding und Gukesh um die Weltmeisterschaft spielen, dann ist die Chance ja net sooo weit weg.