WM-Kandidat gesucht: Grand Prix in Berlin mit Vincent Keymer und fünf Russen

Mit einer Weißpartie gegen den Weltranglistenzehnten Shakhriyar Mamedyarov eröffnet Vincent Keymer beim Grand Prix in Berlin nach vollbrachtem Abitur seine Profikarriere. Für die 16 Teilnehmer der dritten und letzten Grand-Prix-Etappe geht es um zwei Plätze im Kandidatenturnier 2022. Auch Keymer hat noch eine winzige Chance, müsste dafür aber das Turnier gewinnen und bräuchte obendrein perfekt auf ihn zugeschnittene Ergebnisse der anderen Spieler. Eher geht es für den 17-Jährigen darum, sich im Wettbewerb mit Großmeistern aus der Eliteklasse zu stählen. Neben Mamedyarov wird Keymer gegen Leinier Dominguez (USA) sowie Daniil Dubov (Russland ) spielen. Die Partien im World Chess Club Berlin beginnen täglich um 15 Uhr.

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Die heutigen Auftaktpartien. | via WorldChess

Dmitry Andreikin (Russland) verzichtet aus „persönlichen Gründen“ auf die dritte Etappe des Grand Prix. Ihn ersetzt Andrey Esipenko (Russland), zweitbester Junior der Welt. Im ersten Berliner Grand Prix war Esipenko nahe dran gewesen, in der Vorrunde Hikaru Nakamura zu schlagen und statt des Amerikaners ins Halbfinale einzuziehen. Esipenko scheiterte knapp, Nakamura gewann in der Folge das Turnier. Jetzt hat er gute Aussichten, sich eines der beiden Kandidaten-Tickets zu sichern.

Fünf Russen spielen mit: Neben Esipenko und Dubov sind Grigoriy Oparin, Alexandr Predke und Nikita Vitiugov Teil des Felds. Bis auf Dubov haben diese Spieler das vereinfachte Verfahren der FIDE in Anspruch genommen, den Verband zu wechseln. Sie spielen unter FIDE-Flagge. Dubov wird bei der FIDE weiterhin als Vertreter des Russischen Schachverbands geführt.

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Richard Rapport, der in Berlin nicht mit von der Partie ist, hat die besten Chancen, sich via Grand Prix fürs Kandidatenturnier zu qualifizieren, Der Ungar hat in seinen beiden ersten Turnieren so gut vorgelegt, dass ihm die Qualifikation kaum zu nehmen ist. Nach ihm die besten Chancen haben Nakamura und Aronian – die schon in der Vorrunde aufeinandertreffen. Nur derjenige dieser beiden, der die Vorrunde gewinnt, kann die Qualifikation schaffen.

Nach der Sperre von Sergey Karjakin und dem damit verbundenen Ausscheiden aus dem Kandidatenturnier 2022, das Mitte Juni in Madrid beginnen wird, geht es für die Bestplatzierten der Weltrangliste auch um ihre Elozahl. Mindestens ein Spieler wird ins Kandidatenturnier nachrücken – derjenige, der Ende April die beste Elo vorweist. Die an der Spitze der Weltrangliste nahe beieinander liegenden Aronian, Wesley So, Anish Giri, Shakh Mamedyarov, vielleicht sogar Maxime Vachier-Lagrave können noch darauf hoffen, es per Elo zu schaffen.

Sie alle haben aber auch noch eine Chance, sich per Grand Prix zu qualifizieren und die Elo-Zitterpartie zu vermeiden. Bis auf Aronian bräuchte wahrscheinlich jeder von ihnen dafür einen Turniersieg in Berlin.

Seinem ersten erfolgreichen Turnier der Carlsen-Tour, hier die Partie gegen Praggnanandhaa, lässt Keymer vorerst kein zweites folgen, obwohl er dafür qualifiziert wäre. Aber der Grand Prix überschneidet sich mit der aktuell laufenden Ausgabe des Online-Wettbewerbs, und natürlich geht der Grand Prix vor.
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Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
1 Monat zuvor

Wenn der Überfall auf die Ukraine endlich Geschichte ist spielen die FIDE-Russen wieder unter Rot-Weiß-Blau ?
Schach wieder so selbstsüchtig während Kinder in der Ukraine sterben und Krankenhäuser in Schutt und Asche liegen.
Diese Sportart biegt sich die heile Welt wie es gerade passt.
Gerade mit dem russischen Volkssport könnte man Zeichen setzten.

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor

“Bis auf Dubov haben diese Spieler das vereinfachte Verfahren der FIDE in Anspruch genommen, den Verband zu wechseln. Sie spielen unter FIDE-Flagge.” Jedenfalls formal stimmt das so nicht ganz – es geht zunächst nur darum, vorläufig (befristet bis zum 31. Mai) auf der Eloliste unter FID geführt zu werden. Das kann man dann ab Anfang Mai verlängern, aber man muss es nicht – sonst wird man automatisch wieder Schachrusse. Spielen unter FIDE-Flagge ist allenfalls (wie bei Firouzja) der erste Schritt zu einem Verbandswechsel. Warum Dubov darauf verzichtet hat, dazu kann man nur spekulieren – vielleicht, weil er sich nach “Sekundant für Carlsen… Weiterlesen »

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