…und das Schach in anderen Ländern? Blick über den Tellerrand

Wie kriegen wir die neuen Schachspieler ans Brett und in die Vereine? “Schaak-Off” heißt die Antwort des niederländischen Schachverbands. Mehr als 70 der 400 Vereine haben ihre Spielräume für Schaak-Off geöffnet, ein landesweites offenes Schachturnier, mit dem der Königlich-Niederländische Schachbund durch Queens Gambit, Chess.com und Lichess angefixte Nichtvereinsspieler einfangen will.

Der Plan dürfte aufgehen. Mehr als die Hälfte der Schaak-Off-Teilnehmer sind noch nicht im Verein. Sie werden einander bis zum 26. September in lokalen Vorrunden begegnen, dort versuchen, sich für die regionale Ebene zu qualifizieren. Den Höhepunkt von Schaak-Off bildet das nationale Finale – an dem beileibe nicht nur Schachmeister teilnehmen werden. Von Beginn an nach Spielstärke/Erfahrung sortierte Gruppen stellen sicher, dass auch Hobbyspieler eine Chance haben, regional und national mitzuspielen.

Trotz dieses Schachfests, das die Rückkehr an die Bretter feiern soll, ist in Holland wie anderswo der Corona-Spuk alles andere als vorbei. Am Dienstagabend hat die niederländische Regierung neue Corona-Maßregeln bekanntgegeben. Am Tag darauf musste Verbandsgeschäftsführer Dharma Tjiam den niederländischen Schachvereinen erklären, was sie ab kommender Woche umsetzen müssen.

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„Es hängt vom Ort ab. Ist der Vereinsabend in einer Gaststätte, müssen nun alle den Coronapass haben. Wer sich in einer Schule trifft, für den ändert sich nichts.“ Am Brett herrscht keine Maskenpflicht, doch zwischen den Brettern gilt ein Mindestabstand von 1,50 Metern. Mancher Verein praktiziert Partien, in denen jeder Spieler sein eigenes Brett hat und den Zug des Gegners mitausführt.

Alle niederländischen Ligen gehen gerade los. Fünf bis zehn Prozent weniger Teams als 2019 seien angemeldet, sagt Tjiam. Genauere Zahlen hat er noch nicht, aber den Rückgang hält er nicht für dramatisch. Schließlich gebe es Spieler, die sich noch nicht wieder unter die Leute trauen. Von Oktober 2020 bis Juni 2021 stand das Klubleben still. Jetzt seien fast alle der vierhundert Schachvereine wieder aktiv, sagt Tjiam. Und jeder von ihnen hat einen Corona-Beauftragten.

Frankreich

Weil Frankreich auf den Coronapass setzt, um seine Bevölkerung zum Impfen zu bewegen, darf seit August im Verein oder Turnier nur Schach spielen, wer geimpft, genesen oder frisch getestet ist. Bis Ende September sind Jugendliche ausgenommen, danach gilt das für alle.

Schweiz

André Vögtlin | via staff.ch

Voll an läuft das Schachleben in der Schweiz. Die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft wird nicht nach dem Schuljahr sondern nach dem Kalenderjahr gespielt. So kommt es, dass bis Weihnachten eine ganze Saison durchgezogen wird. Der Schweizer Schachbund hat die Startgelder reduziert und für die meisten Ligen auch die Zahl der Bretter. Mit Erfolg. Es sind 26 Teams mehr am Start als 2019. Nachdem die Mitgliederzahlen seit einigen Jahren im Niedergang waren, hofft der neue Verbandspräsident André Vögtlin eine Kehrtwende zu schaffen und sucht den Schulterschluss zwischen Vereins- und Onlineschach.

Schweden, Finnland, Italien

Der Schwedische Schachverband hat gerade gemeinsam mit dem Esport-Unternehmen Fragbite eine Esport-Schachliga angekündigt. Außer dass jedes Jahr zwei Saisons ausgetragen werden sollen, sind noch keine Details bekannt. Der Finnische Schachverband steckt gerade in einer tiefen Krise, weil sich viele Spieler während der Covid-Zwangspause abgemeldet haben. Die wichtigste Einnahme des Verbands sind die direkten Beiträge der lizenzierten Turnierspieler, an die wiederum die Zuschüsse der öffentlichen Hand gekoppelt sind. In ähnlichen Schwierigkeiten steckt der Italienische Schachverband.

Portugal

In Portugal geht die Saison nicht los sondern gerade dem Ende zu. Mannschafts- und Einzelmeisterschaften finden über die Sommermonate statt. Wie schon 2020 musste daher kaum etwas ausfallen. Ein paar Opens stehen an, Ende November oder Anfang Dezember soll das größte in Lissabon stattfinden. Erst im neuen Jahr folgen die regionalen Ligen. Gespielt wird ausnahmslos mit Maske. Ob sich das bald lockert, weil schon über achtzig Prozent der Portugiesen zweimal geimpft sind, darüber will Präsident Dominic Cross nicht spekulieren. Sein Job sei es, alle Vorgaben peinlich genau zu erfüllen, damit möglichst viel Schach stattfindet.

Austausch über die Grenzen!

Einen Austausch über die Grenzen, wie mit den Unsicherheiten und aktuellen Herausforderungen umgegangen wird, gibt es diesen Samstag bei der Onlinekonferenz Work4Chess. Vertreter einiger europäischer Verbände werden sich vernetzen. Geir Nesheim vom Nordischen Schachverband wird für mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit plädieren.

Dank der Sponsoren Tornelo, Play Magnus Group und Europäische Schachunion ist die Teilnahme an der Konferenz, deren Sessions bis 27. September abrufbar bleiben, kostenlos. Da schon viele Anmeldungen aus dem deutschsprachigen Raum vorliegen, wird es auch einen deutschsprachigen Konferenzraum geben: Ab 14 Uhr steht deutschsprachiges Networking im Raum der Chess Sports Association auf der Agenda. Gastgeberin u.a.: Lilli Hahn.

Unverbindlich zu Work4Chess anmelden

(Titelfoto: Gibraltar Chess)

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Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
2 Monate zuvor

Ich denke, dass man da etwas überempfindlich ist.
Ich habe mit beiden Bildern nicht das geringste Problem.
Und was gibt es daran zu kritisieren, wenn sich Lara bei 38 C° einen Sonnenhut kauft ???

Sven
Sven
2 Monate zuvor

Das Photo, welches auf der Startseite zu diesem Artikel abgebildet ist, finde ich indiskutabel. Eine Frau spielt eine Schachpartie. Aber die vermeintliche Krone der Schöpfung grätscht mit der Hand quer über das Brett, weil der Typ es besser zu wissen meint. Diese Darstellung finde ich herabwürdigend.

Conrad Schormann
Admin
Conrad Schormann(@harrylagman)
2 Monate zuvor
Reply to  Sven

Ich seh da die Hand eines WM-Kandidaten und Super-GM, am Brett eine 2400-IM. Vielleicht ist die für den Input von Hikaru dankbar? Ich seh nicht, dass da jemand eine Partie spielt und sich gestört fühlen könnte, das sieht eher nach gemeinsamer Analyse beim Bierchen/Wein aus. Man muss schon unbedingt etwas Anstößiges finden wollen, um sich an dem Bild reiben zu können, und dann noch ziemlich krass drauf sein, um sogar die “indiskutabel-herabwürdigend”-Schublade aufzumachen. Guck mal nach dem Titelbild zu “Keymer vorn, Donchenko dran, Schulze shoppt”, da hätte ich den frauenfeindlich-Einwurf interessant gefunden (und war überrascht, dass er nicht kam). Hier… Weiterlesen »