Schach dem Hochwasser: Wie ein Verein aus dem Rhein-Sieg-Kreis hilft

Auf dem Höhepunkt der Katastrophe war für Ewald Heck, Vorsitzender des 1. SK Troisdorf, klar, dass er und seine knapp 70 Mitstreiter vom Schachclub etwas tun müssen, um den Hochwasser-Opfern zu helfen. Nur was?

Die Antwort auf diese Frage wird am Samstag ab 12 Uhr auf dem Fischerplatz in Troisdorf im Rhein-Sieg-Kreis zu sehen sein. Der 1924 gegründete Club wird im Stadtzentrum sein Großfeldschach aufbauen, dazu einige Biertischgarnituren mit Brettern und Sitzgelegenheiten. Dann wird Schach gespielt, Passanten werden zum Mitspielen animiert – und nebenbei der Spendentopf gefüllt. Den Erlös der Veranstaltung werden die Troisdorfer Schachspieler dem Verein „Troisdorf hilft!“ übergeben.

Wir haben mit Ewald Heck über die spontane Katastrophenhilfe seines Vereins gesprochen. Das Interview:

Herr Heck, hat das Hochwasser Troisdorf getroffen?

Rhein-Sieg-Kreis
Der Rhein-Sieg-Kreis im Süden von NRW.

Das Stadtzentrum ist weitgehend verschont geblieben. Aber Troisdorf liegt an zwei Flüssen. Die Sieg, die in den Rhein mündet, war vom Hochwasser stark betroffen, die Flussmündung weit überschwemmt. An den Ufern der Agger, die in die Sieg mündet, standen Grundstücke, Äcker, Wiesen, Waldstücke unter Wasser. Eine Bekannte, die dort lebt, hat mir berichtet, ihr Garten sei jetzt ein See. Auf unserem Minigolfplatz, der an der Agger liegt, stand das Wasser 2,20 Meter hoch, ganz schlimm. Der Platz hatte gerade wieder eröffnet, jetzt ist die Einrichtung mit allen Geräten zerstört.

Und die Existenz der Betreiber gefährdet.

Natürlich. Ein Freund meiner Familie hatte den Platz vor mehr als 30 Jahren eröffnet. Vor etwa drei Jahren hat er ihn aus Altersgründen abgegeben. Der neue Eigentümer hatte schon wegen Corona massive Probleme, er musste schließen. Jetzt hat er gerade neu eröffnet, dann trifft ihn das Hochwasser.

Die Aggermündung nach einem regulären Regen. Vor einer Woche stand das Wasser hier einige Meter höher.

Angesichts solcher Schicksale ist beim 1. SK Troisdorf der Wunsch erwacht zu helfen.

Donnerstagabends, auf dem Höhepunkt der Katastrophe, habe ich gegrübelt, was wir als Club tun können. Mir kam die Idee, dass wir ein Open-Air-Turnier mit unserem Großfeldschach machen und einen Sponsor gewinnen, der pro ausgeführtem Zug einen Euro für die Hochwasseropfer spendet. Ich dachte, dass wir auf diese Weise 200 bis 300 Euro zusammenbekommen müssten, wenn wir ein paar Stunden spielen. Meine Idee habe ich am nächsten Morgen den Kollegen im Vorstand vorgetragen. Wir haben dann gemeinsam Tische und den Transport organisiert, das war schnell geregelt. Um einen Sponsor zu finden, habe ich noch am Freitag bei Reifenhäuser angerufen, einem hier ansässigen Maschinenbauer, der im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht hat, weil er früh massiv in die Maskenproduktion eingestiegen ist. Der Sekretärin habe ich unser Anliegen erläutert, sie hat es weitergereicht.

Und der 1. SK Troisdorf hatte einen Sponsor gefunden.

So schnell ging das nicht. Dann war ja erstmal Wochenende. Am Montagmorgen habe ich erneut telefonisch bei Reifenhäuser auf der Matte gestanden, und es hieß, es gebe noch keine Entscheidung. Ich habe dann erklärt, dass wir es so oder so durchziehen, notfalls auch ohne Sponsor, aber dass ich für unsere Pressemitteilung jetzt eine Entscheidung brauche. Wir mussten ja noch die Öffentlichkeit informieren, und das geht nicht einen Tag vorher. Eine Viertelstunde später kam der Rückruf – ein erfreulicher. Reifenhäuser unterstützt unser Anliegen sehr großzügig, viel großzügiger, als ich mir das ausgemalt hatte. Der Chef habe noch einiges draufgelegt, sagte mir die Dame. Darüber habe ich mich riesig gefreut.

Wer am Samstag mitspielt, ist ebenfalls aufgerufen zu spenden.

Jeder Euro hilft. Wir selbst spenden natürlich auch. Jeder, der sich dazugesellt, sollte etwas geben.

Wie wird es am Samstag ab 12 Uhr auf dem Fischerplatz aussehen?

Hoffentlich trocken, leider ist Regen angekündigt (lacht). Aber wir werden auf jeden Fall da sein. Wir bauen unser Großfeldschach auf, dazu zwei, drei Biertischgarnituren, sodass für Sitzgelegenheiten gesorgt ist. Ein paar normale Schachbretter wird es auch geben. Und dann wollen wir Passanten animieren, für den guten Zweck mitzuspielen. Für uns als Verein kommt noch der gute Zweck hinzu, dass wir auf diese Weise ein wenig Werbung fürs Schach machen.

Das Großfeldschach des 1.SK Troisdorf. | Foto: Horst Hardebusch.

Wie groß ist der Verein?

Wir haben 68 Mitglieder, darunter etwa 30 Kinder und Jugendliche.  

Eine tolle Quote.

Die verdanken wir ganz wesentlich unserem Mitstreiter Horst Hardebusch. Horst kümmert sich mit großem Engagement um Kinder, er bietet Schach im Verein an, außerdem in der Stadtbibliothek, zu der wir einen sehr guten Draht haben. Wir dürfen dort zwei Mal wöchentlich Schach spielen. Alles gratis natürlich. Was wir für Kinder anbieten, ist kostenlos.

Und Sie als Vorsitzender sind der Chef.

Ich würde nicht mich hervorheben wollen, sondern unseren Vorstand als Team sehen. Wir sind eine ganz tolle Truppe, die Hand in Hand arbeitet. In diesem Umfeld für den Verein und das Schach zu arbeiten, bereitet mir große Freude, seitdem ich vor vier oder fünf Jahren gewählt worden bin.

Ewald Heck zeigt, wie er trotz seines Handicaps Office-Programme bedient und Onlineschach spielt.

Sie erledigen auch die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Aber Sie sind seit Ihrem 20. Lebensjahr blind. Wie geht das?

Die Öffentlichkeitsarbeit betreue ich schon, seitdem ich eingetreten bin, das war vor mehr als 40 Jahren. Früher mit der mechanischen Schreibmaschine war das oft schwierig. Heute mit dem PC ist es einfach, es gibt eine Reihe von Hilfen für Blinde und Sehbehinderte. Office-Programme kann ich vollständig bedienen. Der Text auf dem Bildschirm wird mir zum Beispiel vorgelesen. Ich kann ihn mir auch in Brailleschrift anzeigen lassen, aber das ist sehr mühsam, dann muss ich Buchstabe für Buchstabe lesen. Meistens wähle ich die akustische Lösung. Mit meinen Office-Programmen schreibe ich zum Beispiel unsere Pressemitteilungen oder den Vereinsnewsletter, kein Problem. Ich muss nur höllisch aufpassen, dass keine Fehler drin sind. Meistens klappt das.

War denn in den Pandemiemonaten viel Öffentlichkeitsarbeit zu erledigen?

Eher wenig. Wir haben im Vorstand die Zeit genutzt, um jetzt schon unser 100-jähriges Jubiläum in drei Jahren vorzubereiten. Die Stadthalle in Troisdorf haben wir für diese vier Tage schon fest gebucht, damit uns niemand dazwischenkommt. Wir planen drei Veranstaltungen. Ein Jugendturnier, außerdem wollen wir die NRW-Blitzeinzelmeisterschaft ausrichten. Dazu ein großes Open mit einem sehr ordentlichen Preisfonds, das kann ich jetzt schon versprechen.

Dann hören wir uns wieder, wenn in Troisdorf das 100-Jährige ansteht.

Sehr gerne.

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Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Monate zuvor

Tolle Aktion.
Wünsche viel Spaß und Erfolg.
Könnte mir vorstellen das unser LV für diese Aktion auch paar Scheine drauflegt.