Dortmund: Keymer, Kamsky, Blübaum

Vincent Keymer steht jetzt als dritter Teilnehmer des „Deutschland Grand Prix“ im Rahmen der Dortmunder Schachtage im Juli fest. Nachdem die Dortmunder schon Matthias Blübaum und Gata Kamsky präsentiert hatten, nimmt das Feld zum Zungeschnalzen weiter Form an. Hintergedanke des Rundenturniers mit zehn Teilnehmern soll sein, deutschen Nationalspielern Wettkampfpraxis mit Großmeistern der (erweiterten) Weltklasse zu verschaffen.

Keymers Name kursierte in der Schachszene zuletzt im Zusammenhang mit einer Absage. Nachdem er schon als Teilnehmer angekündigt worden war, zog Vincent Keymer von der am Montag, 5. April, beginnenden Kader-Challenge zurück, dem Rundenturnier deutscher Kaderspieler. Ins Magdeburger Feld rutscht nun nachträglich U16-Weltmeister Frederik Svane, der seinem ersten Kräftemessen mit der nationalen Elite entgegensieht – und einer trefflichen Chance auf eine IM-Norm (falls das in einem nationalen Turnier möglich ist) als eloschwächster, aber vermeintlich stark unterbewerter Teilnehmer.

Das Feld, das ab Montag in Magdeburg spielt. | via Deutscher Schachbund

Keymers Absage, „schweren Herzens“ laut Schachbund, hängt wahrscheinlich mit der „Julius Bär Challengers Chess Tour“ zusammen, der neuen Turnierserie der Play-Magnus-Gruppe. Dieses Kräftemessen der Top-Talente des Weltschachs beginnt am Donnerstag, 8. April. Keymers Teilnahme ist nicht offiziell bestätigt, aber der arg gerupfte Turnierkalender offenbart keinen anderen potenziellen Grund, ein starkes Rundenturnier am Brett wie das in Magdeburg abzusagen.

Im Lauf der mit 100.000 Dollar dotierten Serie aus vier Turnieren werden sich zehn Junioren und zehn Juniorinnen mit den Besten ihrer Generation messen – und sie bekommen die Chance, sich für die mit 1,5 Millionen Dollar dotierte „Meltwater Champions Chess Tour“ zu qualifizieren, die Eliteserie der Carlsen-Gruppe. Voraussichtlich am Osterwochenende wird Play Magnus die Teilnehmer der Tour offiziell bekanntgeben.

Vier Plätze für Carlsens Elite-Serie

Judit Polgar und Vladimir Kramnik sind die Botschafter und Frontfiguren der neuen Junioren-Serie, die aufstrebende junge Spieler unterstützen und die Gleichstellung der Geschlechter im Sport fördern soll. Ein Gleichgewicht der Geschlechter ist Teil des Konzepts beim Wettkampf der weltbesten Talente, die neben dem Turnier mit „Team Judit“ oder „Team Vladimir“ manche Trainingseinheit absolvieren werden.

Mit im Boot sind einige der anerkanntesten Schachcoaches, die das eine oder andere Team unterstützen werden. Die 20 Spieler, 10 Jungen und 10 Mädchen, werden den beiden Teams zugeteilt. Geplant sind vier Schnellturniere. Der Gewinner jedes Turniers bekommt einen Platz in der Meltwater Champions Chess Tour, bei der unlängst mit Matthias Blübaum erstmals ein Deutscher mitspielen durfte. Vom 9. bis 13. September ist das Finale der „Julius Bär Challengers Chess Tour“ geplant.

Sollte Vincent Keymer ab dem kommenden Donnerstag an der Carlsen-Junior-Tour teilnehmen, wird er das als frischgebackener Champions-League-Sieger tun.

Weiter unklar ist, was für die heimischen Spitzenspieler nach der Kader-Challenge auf dem Programm steht. Unverändert soll ab dem 22. Mai per Hybrid-Turnier die Europa-Qualifikation für den im Juli geplanten World Cup ausgespielt werden. Zu hören ist, dass der Schachbund schon mit potenziellen Organisatoren des deutschen Spielsaals dieses Turniers Kontakt aufgenommen hat.

Wird die Hybrid-Qualifikation absolviert und kommt es dann im Juli tatsächlich zum World Cup in Sotschi, hat sich wahrscheinlich erledigt, womit dieser Beitrag begonnen hat. Wie berichtet, würde das Dortmunder Turnier, die „Sparkassen Chess Trophy“, ebenso wie einige andere mit dem World Cup kollidieren. Anzunehmen ist, dass Vincent Keymer, Matthias Blübaum, wahrscheinlich auch Gata Kamsky das mit knapp drei Millionen Dollar dotierte Spektakel in Russland (und die darin enthaltene WM-Kandidaten-Chance) dem Turnier in der Westfalenhalle vorziehen.

(Titelfoto (Montage): Franz Jittenmeier)

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