Schach statt Krieg

Magnus Carlsen: ausgeschieden. Ian Nepomniachtchi: ausgeschieden. Wesley So: ausgeschieden. Hikaru Nakamura: ausgeschieden. Natürlich können wir die Elitegroßmeister Levon Aronian und Teimour Radjabov schwerlich als Außenseiter bezeichnen, aber im Finale des Airthings Masters, des zweiten Turniers der Champions Chess Tour, waren diese beiden eher nicht zu erwarten. Nun beschert uns die Turnierdramaturgie das Finale eines Armeniers und eines Aserbaidschaners, deren Heimatländer eben noch gegeneinander Krieg geführt haben.

Mehr als 4.000 Menschen ließen Mitte/Ende 2020 bei den Kämpfen der Nachbarstaaten um die Region Berg-Karabach ihr Leben. Der vielhundertjährige Konflikt reicht weit zurück, die jüngste Eskalation ist eine weitere in einer langen Reihe seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Teimour Radjabov hatte in den Wochen der bewaffneten Auseinandersetzung speziell seinen Twitter-Account auf Kriegspropaganda gegen den „Terroristenstaat“ Armenien umgestellt. Oft mehrfach täglich retweetete Radjabov Botschaften seines mit dikatatorischer Machtfülle ausgestatteten, seit 2003 regierenden Präsidenten İlham Əliyev, gelegentlich formulierte er selbst:

Levon Aronian hielt sich eher zurück, und wenn er etwas von sich gab, dann klang es menschlicher:

Für Aufsehen sorgte Aronian mit einem Interview am Rande des Norway-Chess-Turniers, in dem er am 19. Oktober sagte, er sei bereit, für sein Land zu kämpfen, werde er gebraucht.

Dazu kam es nicht. Nun werden er und Radjabov am Brett kämpfen. Das Finale beginnt am heutigen Samstagnachmittag um 15 Uhr.

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