Startkapital für die Deutsche Schachjugend: Berlin schert aus

Der Deutsche Schachbund hortet ein Vermögen von derzeit etwa 700.000 Euro, Tendenz steigend. Nun braucht die Deutsche Schachjugend ein Startkapital für ihre Existenz als eingetragener Verein, 45.000 Euro. Es sei “schwer nachvollziehbar”, warum diese Grundausstattung für die DSJ nicht aus dem Vermögen des DSB genommen werden soll, stellt das Präsidium des Berliner Schachverbands fest.

Jetzt liegt ein “Änderungsantrag” der Berliner für den kommenden Hauptausschuss vor, der genau darauf abzielt. Ursprünglich sollte der Hauptausschuss über einen Antrag von DSB-Präsident Ullrich Krause und DSJ-Vorsitzendem Malte Ibs entscheiden, der besagt, dass das Startkapital für die DSJ per Umlage aufgebracht werden soll: 50 Cent pro Mitglied.

Eine “Frechheit” sei das, hat unlängst Niedersachsens Schachpräsident Michael S. Langer im Gespräch mit dieser Seite festgestellt: Eine Umlage habe nie zur Debatte gestanden. Vereinbart sei gewesen, dass die DSJ-Grundausstattung die Mitgliedsverbände nichts kostet.

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Die Berliner wollen den Krause/Ibs-Antrag dahingehend ändern. Der Umlage-Passus soll gestrichen werden, stattdessen soll es heißen: “Der Bund gewährt der DSJ zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Zuschuss von 45.000 Euro.” Diese Lösung sei die “aus unserer Sicht richtige Vorgehensweise”, eine “sachlich gute Lösung” und “formal der richtige Weg”, um die Angelegenheit nicht auf den kommenden Kongress zu verschieben. Außerdem werde die Diskussion vermieden, warum die Mitglieder bezahlen sollen, während der DSB “auf einem großen Vermögen sitzt”.

Hauptausschuss als Online-Konferenz

Paul Meyer-Dunker, Vizepräsident des Berliner Verbands, geht davon aus, dass der Änderungsantrag “mehrheitsfähig” ist. Angesichts des Rumorens unter den Landespräsidenten, das die Umlage ausgelöst hat, mag er damit richtig liegen. Endgültig zeigen wird sich das am 12. Dezember, wenn der Hauptausschuss tagt – erstmals in der gut 140-jährigen Geschichte des Schachbunds als Online-Konferenz. Das bestätigte der DSB heute auf Anfrage dieser Seite.

Zugeschaltet sein werden die führenden Funktionäre: Landespräsidenten und Referenten, darunter Leistungssportreferent Andreas Jagodzinsky, der den Teilnehmern die Umstände seines Rücktritts im Detail erläutern will.

Im Kontext des einst mächtigen, nun als Faktor kaum noch existenten Arbeitskreises der Landesverbände ist bemerkenswert, dass der Änderungsantrag ausgerechnet aus Berlin kommt. Unter ihrem einstigen Präsidenten Carsten Schmidt waren die Berliner ein verlässliches Glied in der Reihe der Landesverbände, die automatisch gut und richtig finden, was die DSB-Doppelspitze vorgibt. Unter ihrem neuen Präsidium nehmen die Berliner nun die erste Gelegenheit wahr auszuscheren:

via Berliner Schachverband
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Klaus Zachmann
3 Jahre zuvor

Ich finde den Änderungsantrag gut, zumal der Kontostand dies problemlos erlaubt.

Hans Z.
Hans Z.
3 Jahre zuvor

Mal ne ganz naive Frage: Warum holt sich die DSJ das Geld nicht von ihren Mitgliedern? Sich unabhängig machen und dann den DSB anbetteln passt für mich irgendwie nicht zusammen. Falls sich die DSJ in Zukunft in finanzielle Probleme bringen sollte (kann ja passieren), soll dann auch immer der DSB einspringen?

Silvio
Silvio
3 Jahre zuvor

Sehr guter Vorschlag!

Scheint ein neuer Wind in Berlin zu wehen …
Hoffentlich hält er an
und erreicht die DSB-Geschäftsstelle ein paar Straßen weiter …

Allerdings erstaunlich, dass keiner der großen DSB-Landesverbände
und Oft-Widersprecher des Präsidenten und Präsidiums diesen so gut nachvollziehbaren Vorschlag gemacht hat.

Ob DSJ-Vertreter wieder live den Hauptausschuss kommentieren?
(wenn sie teilnehmen dürfen?)

Von der naheliegenden Möglichkeit, allen Vereinen und ihren Mitgliedern wenigstens und nur zum Zuhören / Zuschauen dieses Onlline-Format / den Hauptausschuss des deutschen Schachs zugänglich zu machen, wage ich nicht mal
zu träumen.

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Jahre zuvor

Das Protokoll der “DSJ e.V in Gründung” von der Vorstandssitzung am WE ist auch noch nicht online. Muss man sich sorgen.

trackback

[…] wäre automatisch der Berliner Änderungsantrag vom Tisch, der besagt, dass wir keine Umlage der 90.000 brauchen, weil selbstverständlich der […]

Klaus Zachmann
3 Jahre zuvor

Wie im Berliner Antrag hingewiesen wird, kann der Hauptausschuss nicht über das Thema Beiträge beschließen.
Kennt die DSB-Spitze die eigene Satzung nicht?

Walter Rädler
Walter Rädler
3 Jahre zuvor

Der DSB antwortet den Perlen!. Perestroika DSB ???

Gerhard Streich
Gerhard Streich
3 Jahre zuvor

Mit Datum vom 27. November wird auf der DSB-Webseite verkündet, dass der Hauptausschuss am 12. Dezember online stattfindet. Drei Anträge sind als PDF-Datei angefügt. Der Änderungsantrag des Berliner Schachverbands ist nicht dabei!

Werner Berger
Werner Berger
3 Jahre zuvor

Der in diesem Änderungsantrag auftretende Antragsteller – wörtlich: “Präsidium des Berliner Schachverbandes” – ist nach der Satzung des DSB nicht antragsberechtigt, der Antrag somit unzulässig. Richtig wäre gewesen, den Antragsteller wie folgt zu bezeichnen: “Berliner Schachverband, vertreten durch den Präsidenten”. So selbstbewusst der SF Christian Kuhn auch auftreten mag, muss er doch noch einiges lernen, was auch gelegentliche Schwächen in Rechtschreibung und Interpunktion betrifft.