Das deutsche Schachdilemma in einem Bild

Ohne das Wortungetüm “Schachmeisterschaftsgipfel” wäre das Riesenbanner nicht von Layout-Problemen geprägt. Ab sofort heißt die Veranstaltung kurz und prägnant “Schachgipfel”.

Willkommen im Foyer, willkommen beim Schachgipfel. Wir können uns leicht die Führungsriege unserer Verwaltung vorstellen, wie sie hier vor Beginn der Schachwoche in die Runde schaut und unter gegenseitigem Schulterklopfen feststellt: “Sieht prima aus.”

Ob im Lauf der Woche irgendjemandem aufgefallen ist, dass die entscheidende Zutat fehlt? Dass diese Ansammlung von Aufstellern und Bannern am Ort des größten Publikumsverkehrs alles andere als einladend aussieht?

Wo ist Elisabeth Pähtz? Wo ist Vincent Keymer? Wo ist irgendein Gesicht irgendeines Schachspielers? Auch ein freundliches Breitenschachbild wäre an dieser Stelle schön, um unserem Spiel ein einladendes Antlitz zu geben. Zumindest die einzigen beiden einer breiteren Öffentlichkeit bekannten Schachbotschafter müssen hier zu sehen sein.

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Wenn Schach größer werden soll, muss es sich attraktiv machen, und dafür muss es mit dem einzigen Pfund arbeiten, das es hat: die Schachspieler.

Schach braucht Gesichter. Entweder begreift das unser bevorzugt hinter einem Graben in einer Burg verschanzter Geschäftsführer und handelt entsprechend, oder er bekommt jemanden zur Seite gestellt, der Die Schwarze Box auf offen, freundlich, menschlich umkrempelt.

Oder es passiert nichts, dann bleiben wir halt ein kleines Brettspiel für Nerds und Opas – das immerhin die deutsche Aufstellerbranche fast im Alleingang am Leben erhält. Ist ja auch was.

Hilfe hat sich übrigens am Tag des Kongresses angekündigt:

Hoffen wir, dass diese “Guidance” des FIDE-Marketingchefs erwünscht ist. Dass sie gebraucht wird, ist angesichts der öffentlichen Hilflosigkeit unseres Präsidenten nicht zu übersehen.

https://twitter.com/nsjonline/status/1297080970798080000

Wer hinter das traurige Bild guckt, das unsere Führungsriege abgibt, stellt ja fest, dass bei weitem nicht alles so schlecht ist, wie es der DSB verkauft. Gucken wir einfach mal unterhalb des von Layout-Problemen geprägten Riesenbanners auf die Sponsorenwand.

Boah. Haben wir so etwas im deutschen Schach jemals gesehen?

Natürlich ist es eine Ansammlung der üblichen Verdächtigen aus der UKA-ChessBase-Niggemann-Komfortzone, aber eben nicht nur. Gipfel-Helfer Ossi Weiner teilt auf Anfrage mit, dass er für den Schachgipfel 2020 mit einem Dutzend lokaler Sponsoren und Spender neue Vereinbarungen getroffen hat. Sich selbst möchte er dafür nicht gepriesen sehen, sondern vielmehr Ullrich Krause und Marcus Fenner. Denen gebühre das Hauptverdienst, dass der Schachgipfel trotz Viruskrise und kurzer Vorbereitungszeit überhaupt möglich wurde.

Der Schachgipfel hat sogar eine solide, offizielle Präsentation. Darin sind Schachgesichter zu sehen, darin macht sich (zum ersten Mal überhaupt?) jemand vom DSB über “Schachspieler als Zielgruppe” Gedanken. Vorzeigbar!

Blöd nur, dass die Präsentation nirgendwo zu sehen ist. Wahrscheinlich hat sie jemand hinter dem Graben in der DSB-Burg weggeschlossen. Auf der Website des Schachgipfels taucht sie jedenfalls nicht auf.

Wir hätten sie nicht entdeckt, hätte sie Ossi Weiner nicht seiner Antwortmail angehängt. Bitteschön:

(Titelfoto via @chessplease)

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Eberhard Schabel
3 Jahre zuvor

Hallo! Ich habe darauf gehofft, dass die Schachjugend ein e. V. wird, dies aber nicht weil ich eine Abspaltung in Teilen gut finde, sondern mehr weil ich es als Schachmensch leid bin, dass man sich bei DSJ/DSB nur um Schachpolitik überwiegend kümmerte und nicht um die damit verbundene Ausendarstelllung des deutschen Schachs. Hinzu kamen erschwerend für die Basisarbeit Berichte in Blogs, die unseren organisierten Sport auch nicht gerade angepriesen haben. Ich hoffe sehr, dass man sich auf allen Ebenen nun wieder dem Schach zuwendet, da es schwer genung wird, hinsichtlich der Corona- Einschränkungen wieder Fuß zu fassen. Uns werden da… Weiterlesen »

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[…] Föderationen, Ligen, Unternehmen und die großen Turniere müssen die Führung übernehmen. Aber im Prinzip sehe ich jeden auf seinem Level im Rahmen seiner Möglichkeiten aufgefordert. Wer einen kleinen Schritt nach dem anderen macht, der kommt voran. […]

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[…] Das deutsche Schachdilemma in einem Bild | Perlen vom Bodensee – das Schachmagazin Willkommen im Foyer, willkommen beim Schachgipfel. Wir können uns leicht die Führungsriege unserer Verwaltung vorstellen, wie sie hier vor Beginn der Schachwoche in die Runde schaut und unter… […]

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Jahre zuvor

Ich spreche mal mit unserem LV-Präsidium ob wir zum nächsten Kongress einen Antrag auf Erweiterung des Präsidium stellen in Verbund mit der entsprechenden Satzungsänderung. Ein Vizepräsident Chefkritiker fehlt unserem Verband dringlich. Eine Personalie habe ich auch schon im Auge. Ein Referat für die Betretung ehemaliger DSB ler wäre auch nicht verkehrt. Sozusagen für Veteranen treffen mit Tanzveranstaltungen , gemeinsame Reisen und Stammtischtreffen mit dem aktuellen Präsidium. Reiseziele müsste dann die Geschäftsstelle organisieren, mit Mikrofon im Klima-Bus.Das könnte auch die Beförderung zum Ehrenpräsident ersetzen. Die Herren könnten den Posten wichtigen Posten Reisegruppenführer übernehmen. Man muss die Leute nur beschäftigen und bewirten… Weiterlesen »

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
3 Jahre zuvor

Der Schachsport hat doch ein Gesicht MSL und die Perlen. Ein Team eine
Truppe.Ein Delgierter sitzt in der Versammlung mit der Hauptaufgabe die Perlen zu füttern. Warum stellt sich der Delegierte nicht der Versammlung und schreit ins Mikrofon ” bitte bitte wählt mich ich bin der beste Schachexperte der Welt ich weiss alles ich führe euch ins Licht”.

Laus Flachmann
Laus Flachmann
3 Jahre zuvor

Nach der Überschrift hatte ich eigentlich ein Bild von Herrn Schormann erwartet:)