Steinitz‘ Geburtstagsfeier und die Millionentour von Magnus Carlsen

Heute habe Wilhelm Steinitz Geburtstag, meldete unsere Facebookseite am 14. Mai.

Drei Tage später, am 17. Mai, die kalte Dusche. Der Weltverband FIDE (und dessen Mitarbeiter sollten sich ja eigentlich auskennen) tweetete dieses:

Tatsächlich waren sich die Historiker lange nicht einig, wann der erste offizielle Weltmeister des Schachs geboren wurde, am 14. oder am 17. Mai? Endgültig geklärt ist die Sache immer noch nicht, aber die Indizienlage ist eindeutig. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war es der 14. Mai. Das lässt sich der Website von Edward Winter entnehmen, der in Sachen Schachgeschichte als Instanz gilt.

Zu Ehren Steinitz‘ haben die FIDE und chess24 jetzt zwei Blitzturniere ausgerichtet, eines für Männer, eines für Frauen. Nach seinem Sieg beim Magnus Invitational setzte sich Steinitz-Nachfolger Magnus Carlsen auch beim Steinitz-Memorial durch – und war erstaunt darüber. Nach eigener Aussage spielte Carlsen so schlecht, dass er ins Trainingslager gehört, nicht ans virtuelle Brett. Für einen Zwei-Punkte-Vorsprung vor Daniil Dubov reichte es trotzdem.

Der Endstand nach drei Tagen und 18 Runden Blitzschach. | Grafik: chess24

Anstatt als Kommentator war Peter Svidler dieses Mal als Spieler dabei – und schlug sich prächtig.

Eine von drei Niederlagen kassierte Carlsen gegen Peter Svidler. Als der hier mit Txh6! die Partie entschied, erinnerten sich Spieler und Zuschauer unweigerlich an die Entscheidung der WM 2016.
50.Dxh6!, und Carlsen blieb nach einem unerwartet wackeligen Match Weltmeister.

Weil Svidler spielte, sprang Peter Leko als Kommentator ein, und der ist weit mehr als ein Ersatzmann. Sogar einen emotionalen Moment gewährte der sonst stets gefasste Leko den Zuschauern, als sich der außer Form (und in zwei Turnieren gleichzeitig) spielende Alexander Grischuk mit Schwarz diese Ruine gebaut hatte:

„Der schlechteste Königsinder, den ich je gesehen habe! Schwarz ist komplett im Eimer“, schimpfte Leko während der Liveübertragung angesichts dieser Stellung, um dann eine nach der anderen die vier schwarzen Leichtfiguren zu beleuchten – und festzustellen, dass jede von ihnen nicht an der Partie teilnimmt.

Im Frauenturnier lief es für Elisabeth Pähtz eher bescheiden, sodass sie sich einen pinkfarbenen Helfer heranholte:

Für Alexander Grischuks Gattin Kateryna Lagno lief es besser. Statt Hilfe ereilte sie auf der Zielgeraden des Turniers ein familiärer Zwischenfall:

Es waren „nur“ 3000 Euro, nicht 4500, um die es ging, als Töchterchen unbedingt die Socken gewechselt haben wollte. Womöglich hat Papa Grischuk das Sockenproblem gelöst, während seine Frau der Haushaltskasse einen Eurosegen bescherte? Jedenfalls setzte sich Lagno im Stechen durch und gewann das Frauenturnier.

Magnus Carlsen hat nun einen Tag Pause, bevor am Dienstag die „Lindores Abbey Rapid Challenge“ beginnt, ein Schnellturnier dieses Mal, und wieder zum Zungeschnalzen edel besetzt.

Diesen engen Terminplan hat er sich selbst gestrickt. Das Turnier ist Teil der mit einer Million Dollar dotierten Magnus-Carlsen-Tour, die der Weltmeister vor Beginn des Steinitz-Memorials ankündigte.

Bericht über das Steinitz-Memorial:

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