Anti-Sizilianischer Käse

Verrückte Stellung: Schwarz drohte, per 11…Sf3+ zu gabeln. Käme er noch zu …Lg7, müsste sich Weiß mit garstigen Abzügen auseinandersetzen. Darum 11.Kd1, was die Drohung mit einer Gegendrohung pariert. Jetzt liegt 12.f4 in der Luft, und Weiß hat um den Preis seines Rochaderechts das Heft des Handelns wieder in der Hand – und zwingt Schwarz, seinerseits die kurze Rochade herzuschenken. Oder was soll Schwarz machen außer 11…Tg8?

Schach ist immer wieder tief, verrückt und überraschend. Kann gut sein, dass 11.Kd1 hier der beste Zug ist. Und die beste Antwort darauf ist 11…Tg8, was ebenfalls die Rochade herschenkt.

Die Partie ist eine weitere aus Wijk, in der die Weißen sich verrenken, um irgendwie den Sizilianer zu knacken. Hier hatte der eine van-Foreest-Bruder 6.Tg1 gegen Najdorf versucht, tags zuvor hatte der andere 6.Ld2 aufs Brett gestellt (was nun wirklich ein ziemlicher Käse sein dürfte?!).

Die Gebrüder van Foreest bekämpften den Najdorf jetzt mit 6.Tg1 bzw. dem holländischen Käsezug 6.Ld2 (Diagramm links). Schachfreund Smeets ließ derweil Vincent Keymers Najdorf gar nicht erst zu. Mit 5.f3 plant Weiß, einen Maroczy-Aufbau durchzusetzen (Diagramm rechts).

Gestern ließ Schachfreund Smeets gegen Keymer den Najdorf gar nicht erst zu. 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.f3!?. Auch das ein bisschen krumm, aber nicht schlecht. Weiß verfolgt die garstige Idee, Sc3 zurückzuhalten, um Schwarz per c2-c4 in den Maroczy-Schwitzkasten zu nehmen. Was wiederum Schwarz verhindern kann, eben weil Weiß nicht Sc3 gespielt hat.

Smeets‘ Versuch traf Vincent Keymer nicht unvorbereitet. Früher galt die schwarze Spielweise als überambitioniert, heute, heißt es, kann Schwarz zwischen 7…Le6 und 7…d4 wählen und jeweils gutes Spiel bekommen.
Schachcoach Philipp Müller auf der Perlen-Facebookseite zur Eröffnungswahl von Smeets.

Keymer ließ das direkte und konsequente 5…e5 6.Sb3 d5 folgen, was früher als überambitioniert und dubios galt, heute als gesund. Nach 7.Lg5 kann sich Schwarz sogar aussuchen, ob er per 7…Le6 oder per 7…d4 gutes Spiel bekommen möchte.

Warum ich das weiß, obwohl ich doch über Sizilianisch nix weiß? Weil ich für etwa 15 Minuten erwogen hab‘, Smeets-Keymer zu kommentieren. Mach‘ ich aber nicht. Da kommen noch bessere Partien. Vielleicht gleich morgen gegen den Anand-Sekundanten Ganguly.

Alle paar Monate erscheint ein Must-Have-Schachbuch, dieses ist eines: Ex-Weltmeister Visvanathan Anand, dieser Tage in Wijk beim Tata Steel am Brett, lässt anlässlich seines 50. Geburtstags seine Karriere Revue passieren, zeigt zentrale Partien, erörtert Lektionen, die er gelernt hat, und erzählt manche bis dahin unbekannte Anekdote. Eine zentrale Rolle im Werk spielt Anands langjähriger Sekundant GM Surya Shekhar Ganguly, der sich am Dienstag in Wijk mit Vincent Keymer auseinandersetzen muss.

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