Die Dresdner Demission

Dirk Jordan ist nicht mehr Vorsitzender des Vereins Schachfestival Dresden. Einer Mitteilung des Vereins zufolge ist der Dresdner Schachorganisator zurückgetreten, damit der Verein „ein zukunftsorientiertes Konzept“ entwickeln kann.

„Transparenz“ soll künftig das Handeln der Dresdner bestimmen – und eine gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schachbund (DSB). Der vergibt nach der Demission Jordans die Deutsche Seniorenmeisterschaft 2019 nun doch an den Dresdner Verein, der sie wie geplant vom 26. April bis 4. Mai in Radebeul ausrichten wird.

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Dresdner Vorstand suchte Kompromiss mit dem DSB

Zuletzt soll sich innerhalb des Dresdner Vereins eine erstarkende Opposition gegen den Mann formiert haben, der „Schachfestival Dresden“ direkt nach der Wende gegründet und fortan unter diesem Namen Turniere im Sächsischen ausgerichtet hatte. Dieses Betätigungsfeld wäre dem Verein künftig für alle Veranstaltungen, an denen der DSB beteiligt ist, verschlossen, so lange Jordan an der Spitze steht. An Jordan vorbei soll der Vereinsvorstand, darunter ein Rechtsanwalt-Ehepaar, deshalb schon seit längerem ausgelotet haben, ob er die Deutsche Seniorenmeisterschaft womöglich doch bekommt, wenn der Verein seinen Gründer entmachtet.

Zwischen dem DSB und Dirk Jordan hat derweil die juristische Auseinandersetzung begonnen. Untreue und Betrug wirft der Schachbund dem langjährigen Organisator der Amateurmeisterschaft vor. Um welche Summe es geht, ist weiterhin offen. Die Schätzungen für den noch nicht verjährten Part schwanken nach Informationen dieser Seite: vielleicht mehr als eine halbe Million Euro, vielleicht deutlich weniger.

Präzise wird sich das nur bestimmen lassen, wenn Jordan die Konten seiner Vereine offenlegt. Weil er das verweigert, will ihn der DSB nun auf dem Rechtsweg zwingen.

Die Kampagne des Seniorenreferenten

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Gerhard Meiwald. (Foto: Deutsche Seniorenmeisterschaft)

Erst Anfang Dezember beim durchaus kontroversen Hauptausschuss ließ sich ein eindeutiges Stimmungsbild zum „Fall Jordan“ beim DSB zeichnen: fast alle Landesverbände, so zeigte sich, unterstützen die Trennung vom Dresdner Schachverkäufer. Bis dahin hatten Jordan und seine Mitstreiter versucht, Verbündete zu finden und die Position des nicht allzu fest im Sattel sitzenden Präsidiums zu untergraben.

Lautstärkster Verbündeter war fraglos DSB-Seniorenreferent Gerhard Meiwald, dessen Anti-Präsidiumskampagne bei zahlreichen DSB-Senioren auf offene Ohren stieß. Die Mehrzahl der Senioren beharrte monatelang darauf, „ihre“ Meisterschaft unter Jordans Regie in Radebeul auszuspielen. Meiwald ist der einzige Funktionär, den DSB-Präsident Ullrich Krause und sein Vize Klaus Deventer unter dem Titel „Verhalten des Seniorenreferenten“ in persona an den Pranger stellten, als sie Ende Oktober die Vorgänge um Jordan aus Berliner Sicht aufdröselten.

Nur auf den ersten Blick erstaunlich ist nun, dass Meiwald als Organisator der „neuen“ Seniorenmeisterschaft 2019 in Radebeul firmiert. Wer sich dazu umhört, der erfährt, Meiwald sei zwar noch im Amt, aber de facto entmachtet, nicht mehr zu Unterschriften und Entscheidungen befugt, und er werde beim Schachgipfel im Sommer in Magdeburg nicht wieder zur Wahl stehen.

Ein Scheibchen vom Provisionskuchen abgeschnitten?

„Aber es haben doch alle davon gewusst.“ Diese Argumentation war bis zuletzt und ist womöglich immer noch zu hören, wenn der „Fall Jordan“ zur Debatte steht. Angesichts der Vielzahl von auf allen Ebenen an der Amateurmeisterschaft Beteiligter ist es tatsächlich nicht unwahrscheinlich, dass das vertraglich nie geregelte Nebenabreden-System jahrelang stillschweigend hingenommen wurde, weil Jordans Turniere so prima liefen und sich großer Beliebtheit erfreuten.

Nur zeigt niemand auf, wenn gezielt gefragt wird, wer denn, bitteschön, Bescheid wusste. An dieser Stelle bedarf es nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, warum das so ist. Es wäre zumindest nicht erstaunlich, würden die sächsischen Vereinsbücher nicht nur die Summe von Hotelprovisionen offenbaren, sondern auch die Namen von helfenden Mitwissern und Co-Organisatoren, die sich ein Scheibchen vom Provisionskuchen abschneiden durften.

Haltlose Spekulation eines durchgeknallten Blogs oder begründeter Verdacht? Klären wird sich das erst, wenn die Auskunftsklage des DSB durch ist.

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Zwei, die sich verstehen: Dirk Jordan (l.) im Gespräch mit Badens Schachchef Uwe Pfenning, der den Dresdner bis zuletzt gerne als Organisator gehalten hätte, sich aber ein anderes DSB-Präsidium wünscht. (Foto: Deutscher Schachbund)

2020 soll die Seniorenmeisterschaft Teil des Gipfels sein

Juristisch ist der weitere Weg nun vorgezeichnet. Auf Seiten des Schachbunds ebenso wie auf Seiten des Vereins Schachfestival soll es nun wieder um den eigentlichen Zweck dieser Institutionen gehen: Förderung des Schachspiels.

Dem würde ein zentrales deutsches Schachfest nach französischem Vorbild gut tun, und ein ebensolches soll Ende Mai in Magdeburg steigen – der deutsche Schachgipfel. 2019 werden dabei noch die Senioren fehlen, da sie sich dieses Mal aufgrund des Dresdner Kompromisses in Radebeul ein eigenes Süppchen kochen dürfen. 2020, nach Möglichkeit wieder in Magdeburg, soll auch die Seniorenmeisterschaft zum Teil des Schachgipfels werden.

Dann wären wirklich alle Schächer an einem Ort vereint. Ein Fest wäre das.

8 Kommentare zu „Die Dresdner Demission

  1. Jeder hat die Mglkt., genau da Schach zu spielen, wo es ihr oder ihm gefällt, was dann natürlich keine Deutsche Meisterschaft sein kann. Insgesamt leistet dieses Hin & Her erfreulichen Vorschub für die Auflösung der überflüssigen und schädlichen Sonderabteilungen des Schachs, also Senioren, Jugend, Kinder, Frauen etc. Gerade Schach hebt sich von anderen „Sport“arten ab, dass hier jeder gegen jeden, gleich welchen Alters, Geschlechts, Religion, … unter gleichen Chancen siegen kann. Das war und ist wesentlicher Reiz der Deutschen Schach-Amateurmeist. DSAM, für die Jordan einmal das Gesicht war.
    Selbstredend wird der DSB sehr genau beobachten, wie es sich denn genau mit dem „Rückzug“ des Herrn Doktor – und seiner Frau! – verhält. Schließlich hatte er wohl noch diverse andere Clubs gegründet, die komplett seinen Weisungen unterstanden, wie der DSB befürchtete.
    „… sondern auch die Namen von helfenden Mitwissern und Co-Organisatoren, die sich ein Scheibchen vom Provisionskuchen abschneiden durften …“ Die Namen, zahlen etc. werden sich in Akten wohl kaum finden. Zur in Fleisch & Blut übergegangen Arbeitsweise des Onkel Doktors gehörte, niemals irgendwo Spuren zu hinterlassen: Sein „Tatwerkzeug“ war immer das Telefon. Man musste schon protokollieren, wenn er einen scheinbar ins Vertrauen zog.
    Wenn das Ganze aber schon lange ruchbar war, stellt sich doch verschärft die Frage nach der Mittäterschaft des DSB, inbesondere der vorigen Schatzmeister. Die nämlich unterstellten immer wieder nicht offen gelegte „Gewinne“ in der DSAM, einer schwafelte bei DSB-Konferenzen hingegen von „Verlusten“ der DSAM – und hatte doch stets Zugang zu allen Unterlagen.
    Und der DSB saß in Gestalt des jew. Breischachref. in den letzten hundert Jahren stets im organisierenden Team. Wie irgendwann durchsickerte, wussten einige wenige durch einen dämlicherweise im Kopierer vergessenen Vertrag von den Machenschaften des Dr.J. und Gattin. Offenbar wurde dieses Wissen aber nicht wirksam an den DSB weitergeleitet.
    Einige im Team wurden über diesen Vorgang und damit über den Betrug nicht in Kenntnis gesetzt, weil man ihnen misstraute – darunter ich, der Texter.

  2. Man hat ja in der Regel nichts dagegen, veröff. zu werden, wüsste aber doch ganz gerne, wann und wie – Die obige Textstelle, kurios und ärgerlich, basiert auf der irreführenden „Nachfrage“ dieses seelenlosen Bodensee-Systems, das vielleicht einiger Nachbesserungen bedarf. Konsequenz: für diese Seite schreibt man eben nichts mehr. Der Leser atmet durch.

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    15 DSAM Ramáda
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    Perlen vom Bodensee: die Schachschule aus Überlingen

    Mi., 30. Jan., 23:51 (vor 5 Stunden)
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  3. Ich bin gespannt, wann sich der Schachbund mal um die Machenschaften einiger Köpfe hinter der DJEM kümmert. Um keinen Deut besser als das, was Jordan machte. Krause meinte in einem Videointerview, dass dem DSB ein Skandal erstmal reicht. So kann man natürlich auch damit umgehen.

  4. Mich würde interessieren, wie es jetzt mit dem erwähnten „angeknockten“ Seniorenreferenten Gerhard Meiwald weitergeht.
    Nachdem Herr Meiwald offenbar mit dem (wegen Korruptionsverdacht gefeuerten und vom DSB gerichtlich belangten) Ex-Organisator Jordan unter einer Decke gesteckt hat, kann dieser „ehrenamtliche Funktionär“ für den Deutschen Schachbund unmöglich noch zumutbar sein.
    Oder stimmt es etwa nicht, dass er vor einigen Wochen die Senioren mit unwahren Behauptungen aufgehetzt und zum Sturz des DSB Präsidiums aufgerufen hat?
    Wenn dieser Mensch auch nur einen Funken Anstand hätte, dann müsste er von sich aus zurücktreten, bevor er den wohlverdienten Fusstritt erhält.

  5. Herr Meiwald wird (wahrscheinlich) nicht mehr kandidieren, er wird noch die Seniorenmeisterschaft bei Dresden zu Ende bringen. Mit der Wortwahl, dass Herr Meiwald mit Herrn Jordan „unter einer Decke gesteckt hat“ sollte man vermeiden, Herrn Meiwald steht nicht im Verdacht, an irgendwelchen krummen Geschäften beteiligt zu sein. Allenfalls hat er eine fragwürdige Meinung zur Jordan-Affäre, die er sehr offensiv und lautstark vertritt.
    Wie man das persönlich einschätzen möchte, ist jedem selbst überlassen.

  6. Dieser Einschätzung kann ich leider nicht zustimmen. In der Stellungnahme des DSB Präsidiums vom 22.10.2018 stand wörtlich:

    „Der Hotelvertrag zur DSEM 2018 in Hamburg-Bergedorf, die auch in einem H-Hotel stattfand, wurde von Dr. Jordan für den DSB abgeschlossen. Die Gründe für diese Beauftragung von Dr. Jordan durch den Senioren-Referenten Gerhard Meiwald sind uns nicht bekannt. Bei diesem Vertrag gab es ebenfalls eine Nebenabrede, dieses Mal in Höhe von 12% der Übernachtungskosten. In Summe handelte es sich um einen Betrag von etwa 12.000 Euro.“

    – Warum hat Meiwald ausgerechnet Jordan mit Hotelverhandlungen beauftragt, wozu er gar nicht berechtigt war?
    – Wieso hat er sich nach Bekanntwerden der illegalen Machenschaften im Zusammenhang mit dieser Senioren-Meisterschaft nicht von Jordan distanziert?
    – Und wieso hat Meiwald anschließend gemeinsam mit seinem Kumpan Jordan versucht, die Senioren mit unwahren Behauptungen gegen das Präsidium aufzuhetzen?

    Dies alles kann man nur so interpretieren, dass in DSB Kreisen schon damals angenommen wurde, dass Jordan und Meiwald unter einer Decke steckten (auch wenn es sich möglicherweise nicht gerichtsfest beweisen lässt).
    Ich bleibe dabei: Herr Meiwald sollte den Anstand besitzen, freiwillig seinen Hut zu nehmen.

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